Die grosse Sammelzeit beginnt. Lebensmittel sammeln in der modernen Zeit

Langsam werden die Samen und Nüsse reif, die ersten Herbstpilze schiessen aus dem Boden, der Holunder färbt seine Beeren tief dunkelviolett und das Sammlerherz schlägt höher. Doch Sammeln ist aufwendig und oft mühsam. Macht es überhaupt noch Sinn, diesen enormen Aufwand zu betreiben, obwohl uns der Supermarkt mit dauervollen Regalen begrüsst? Was sammle ich Ende August und Anfang September?

Liebe Miterdwandler

Schon im letzten Beitrag über die Selbstversorgung ohne Hektik beschrieb ich, wie die Natur auch ausserhalb unserer Gärten auf wundersame Weise für uns sorgt. Mir ist bewusst, dass nicht jeder einen Garten zur Verfügung hat. Dennoch muss der Traum vom kostenlosen, frischen Grün, von saftigen Früchten und von lebendigen Lebensmitteln nicht unerfüllt bleiben. In jeder Stadt, in der ich bis jetzt war, fand ich essbare Wildpflanzen, leckere Pilze auf öffentlichen Grünflächen oder Parkbäume, deren Früchte niemand sammelte. Es gibt überall etwas zu entdecken und zu erschmecken!

Mehr Wasser aber weniger Nährstoffe

Wie schon gefühlt einhundertmal auf diesem Blog erwähnt, haben die modernen Agrarerzeugnisse «meistens» nur noch einen Bruchteil der Nährstoffe, die sie einst hatten. Der Ertrag ging nach der grünen Revolution dank Kunstdünger enorm in die Höhe, doch was auf der Strecke blieb, waren die Nährstoffe und die Harmonie in den Gemüsen. Zur Harmonie im Gemüse kann ich das Buch von Walther Dänzer empfehlen. In seinem Werk «Die unsichtbare Kraft in Lebensmitteln» vergleicht er mittels Kristallisationsbilder die Strukturen und Ordnungen in biologisch und nicht biologisch angebautem Gemüse. Weizen wird auch in der biologischen Pflanzenzüchtung immer mehr auf seine Backfähigkeit gezüchtet. Maschinen können so besser die vielen Industriebrote backen. Mehr Gluten und weniger gesunde Nährstoffe.

Unten sind der Artikel und die Quelle verlinkt!

Hier gibt`s eine Nährstofftabelle von Wildgemüse und Kulturgemüse zum downloaden und vergleichen: https://unkraut-liebe.de/angebote/download

Übrigens: Ist euch auch schon mal aufgefallen wie schnell das Gemüse auf den Äckern von mit Kunstdüngern arbeitenden Landwirten wächst? Ich finde den Unterschied sieht man bei den Kohlköpfen enorm, wenn man sie mit denen aus dem Garten vergleicht. Der Geschmack ist auch dementsprechend wässerig.

Sammeln als essentielle Nahrungsergänzung?

Mit diesem Hintergrund an Infos stellt sich mir immer die Frage, ob wir einen Teil unserer Lebensmittel selber sammeln sollten, um wieder alle Nährstoffe abdecken zu können. Die Antwort ist nicht so einfach. Es gibt viele Argumente für und gegen das Sammeln in der heutigen Zeit.

Das Argument des Kalorienverbrauches

Wenn wir in unserer heutigen Kulturlandschaft alle Kalorien selber aus den Forsten (keine natürlichen Wälder) sammeln müssten, dann bräuchten wir schon ein sehr ausgefeiltes Konzept, um uns erfolgreich mit genügend Energie versorgen zu können. Je nachdem wo man wohnt, muss ein langer Weg (hoher Kalorienverbrauch) auf sich genommen werden, nur um dann festzustellen, dass jemand die angestrebte Lebensmittelquelle weggepflegt hat, oder sie mithilfe von Glyphosat, sagen wir mal ins eigene Dogma einer Landschafts- und Umgebungsästhetik eingegliedert hat. All die Mühen umsonst. Dennoch kann sammeln auch mit Sport verbunden werden. Es ist nicht unbedingt so, dass die westliche Gesellschaft an einem Kalorienmangel leidet. Ich verbinde manchmal die Sportarten Crosscountryrunning mit dem Sammeln von wilden Lebensmitteln. Als Gamer kann man sich auch vorstellen, auf einen Quest zu gehen und die seltenen Zutaten für ein Elixier zu sammeln (einen MagicSmoothie oder einen Saft der ewigen Jugend). Ich persönlich baue so viele Kalorien wie nötig im Garten an und sammle viele der nicht so sicheren Quellen von Lebensmitteln ausserhalb als Ergänzung. Natürlich mag ich auch gezüchtetes Gemüse wie Salate, Kefen, Ackerbohnen und Gurken.

Das Argument des Aufwandes

Es ist tatsächlich so, dass das Sammeln von Lebensmitteln, die man nicht selbst angebaut hat, eine enorme Zeit in Anspruch nehmen kann. Wiederum weiss man nur selten im Voraus, ob und wieviel noch in jener Hecke oder jenem verbleibenden Rand unserer aufgeräumten Kulturlandschaft zu holen ist. Glaub mir, unsere Mitwesen, die Vögel, Bienen, Reptilien, Rehe, Hirsche und die grossen Beutegreifer wie Bär und Wolf, können ein Lied davon singen. Auch sie müssen einen grossen Aufwand betreiben, um fern der Menschen mit ihnen Koexistieren zu können. Wer im Abfall wühlt oder Schafherden angreift, für deren Weiden einst ihre Wälder und Habitate gerodet wurden, stirbt bald an einer Bleivergiftung und wird ausgestopft.

Sammeln, sortieren, trocknen, nochmals sortieren, ein geeignetes Lager bauen und dann noch der Prozess der Lagergutpflege selbst ist ein gehöriger Aufwand. Alles im Supermarkt oder Bioladen zu kaufen ist da viel bequemer. Mit der Bequemlichkeit verlieren Menschen aber auch viele Fertigkeiten der Haltbarmachung, das Wissen um die Saisonalität und die Kenntnis der vielen Heil- und Nahrungsmittelpflanzen um sie herum. Der Komfort der Technosphäre kann trügerisch sein und abhängig von Systemen machen, deren Praktiken man selbst nicht vertreten kann. Die Massentierhaltung, eine bodenausnutzende Landwirtschaft, eine zerstörerische Forstindustrie und ein Detailhandelssystem, für das Saisonalität nur noch ein Wort in der Werbung ist, sind die Systeme und Praktiken unserer Zeit. Jeder von uns wählt sie mit der Quittung unserer Einkäufe. Diese direkte Demokratie gibt es auch ausserhalb der Schweiz. Sie heisst Markt und wird allein von Nachfrage (wenn diese auch oft künstlich geschaffen wird) und Angebot.

Das Argument des Wohnortes

Ich ging bereits darauf ein, dass man auch in Städten viele Lebensmittel wild sammeln kann (es gibt tolle Onlinekarten zu den verschiedenen Standorten; siehe unten). Oft findet man sie in grösserer Menge in urbanen Gegenden, als auf dem Land. Das Sammeln kann also nicht das Argument dagegen sein. Sondern eher die Verarbeitung und Lagerung des Sammelgutes.

Es sind vielmehr die Wohnbedingungen. Viele moderne Wohnungen und Häuser sind nicht mehr auf eine, überhaupt teilweise, Selbstversorgung ausgelegt und können auch nicht mehr gross geändert werden. Man erfährt das spätestens, wenn man versucht, in einer gemieteten Minergiewohnung mit der Spitzhacke einen Lagerkeller auszuheben. Die Mietkaution kann man dann gleich mitvergraben.

Dennoch gibt es immer noch die Möglichkeit in einigen Städten einen Gefrierschrank zu mieten. Auch alte Luftschutzkeller eignen sich mehr oder weniger gut für die Lagerung. Wenn man im Parterre eines Mehrfamilienhauses wohnt, kann man sich ein 150L Plastikfass in den Boden eingraben und danach auf den Deckel einen Blumenkübel stellen, der das Ganze noch ästhetisch abrundet. Die Dauerkühle aber frostfreie Umgebung in der Erde hält dann Knollen, Wurzeln, Sauerkraut, Kohlköpfe aber auch Äpfel frisch.

Mit einem Dörrautomaten oder dem Backofen auf 50°C/Umluft eingestellt (mit einem Kochlöffel, der die Tür aufhält), lassen sich viele gesammelte Dinge trocknen. Ihr Volumen nimmt ab und sie halten fast ewig.

Das Argument des Geldes

Immer wieder höre ich von Menschen, die mir erzählen, dass sie nicht genug Geld hätten, um sich oder ihre Familie mit allen Nährstoffen zu versorgen. Biogemüse ist etwas teurer und Biofleisch fast unerschwinglich. Ich habe schon in 2 Städten gelebt, in denen Orte gab, wo es scheinbar weit und breit keinen Zugang zu gesunden Lebensmitteln gab. Die eine Stadt war Christchurch in Neuseeland. Im Zentrum ist es kein Problem, an günstige, frische und sogar biologisch angebaute Lebensmittel zu gelangen. Aber in den Outskirts und äusseren Suburbs übernehmen sogenannte Dairys (so gross wie kleine Tankstellenshops) die lokale Nahrungsmittelversorgung. Die Auswahl an dem was geboten wird, liess mir die Haare zu Berge stehen. In den USA gibt es sogar ganze Regionen, wo man nichts kaufen könnte, das einen nicht auf lange Sicht ins Krankenhaus bringt. Man spricht hier von Fooddeserts. Eine Sammelkenntnis oder die Fähigkeiten des Gärtnerns sind an solchen Orten überlebenswichtig!

Es ist vielfach so, dass das Einkommen mit der Menge an gesunden Lebensmitteln zusammenhängt. Meine, und die Beobachtungen von Freunden, die in Christchurch als Lehrer arbeiteten, bestätigten die Theorie noch zusätzlich. Je tiefer das Einkommen der Familie, desto minderwertiger die Ernährung. Es gab immer wieder Kinder, die nur ein paar Scheiben Weissbrottoast mit Marmite (ein Aufstrich auf Hefebasis) als Mittagessen mitnahmen. Aber ist das wirklich nur die Frage des Geldes? Auf der anderen Seite gibt es immer noch Gesellschaften, die als Jäger und Sammler komplett ohne Geld in sehr guter Gesundheit leben können. Eine polnische Kollegin erzählte mir, dass sich ihre Eltern während des Krieges von Wald und Flur ernährten. Meine Mutter wuchs in den Nachkriegsjahren in Deutschland auf und musste manchmal Beeren im Wald sammeln, damit sie etwas Süsses hatten.

Fakt ist: Menschen die sich nicht von hochverarbeiteten Sättigungsmitteln ernähren leben einfach gesünder.

Es muss auch nicht immer Bio sein. Das teuerste in Bioläden sind die verarbeiteten, nichtsaisonalen oder importierten Produkte. Es gibt auch kein Recht auf Fleisch. Tierische Produkte wegzulassen und sie mit einer vielfältigen, vollwertigen, pflanzlichen Ernährung zu ersetzen, macht in unseren Breitengraden ökologisch, ökonomisch, sozial, ethisch und gesundheitlich den grössten Sinn. Dazu kann man Brennnesseln sammeln und aus ihnen Spinat machen, Apfelbäume abernten, die niemand mehr beachtet, Pilze suchen und so viel Geld sparen. Ein gemeinsamer Sammelspaziergang stärkt als Nebeneffekt die Verbindung innerhalb der Familie, ein unbezahlbares Gut!

Das Argument des Geschmacks

Wildfrüchte und Wildgemüse schmecken nicht immer so fad und zart wie ihre Kollegen im Supermarktregal. Sie sind oft sehr geschmacksintensiv, sogar bitter, zäh und oft astringierend (zusammenziehend). Also so gar nicht für den europäischen Gaumen gedacht, der sich im letzten Jahrhundert an Zucker, Butter, Geschmacksverstärker und Co. gewöhnt hat. Jede Pflanze, jeder Pflanzenteil hat jedoch irgendwann im Jahr Saison. Wer die Wurzeln von Nachtkerze, Rapunzel und wilder Karotte im Juni gräbt, muss sich nicht wundern, dass sie zäh, fasrig und bitter sind.

Viele Zubereitungsarten gingen im Zuge der «Komfortisierung» in Vergessenheit und erleben heute in den modernen Kochbüchern der Slow-Food-Bewegung und auf Internetplattformen ein Revival. Juhu! 

Das Argument der Tradition

Ja es ist Tradition, Pflanzen in der Wildnis zu sammeln. In den letzten Jahren ist die sogenannte Slow-Food-Bewegung auch in der Schweiz mehr und mehr angekommen. Man besinnt sich wieder auf die alten Zubereitungsweisen von Essen. Im Fokus steht dabei meistens nur die mannigfaltige Zubereitung von Tierleichen oder die verschiedensten Verwendungen der Muttermilch anderer Spezies. Die Pflanzen sind (ausser Weizen) entweder Gewürz oder Beigemüse. Auch wir haben eine kulinarisch wertvolle Flora und Funga, die uns im Gegensatz zu den meisten tierischen Erzeugnissen weder schwer aufliegen, noch Krebs begünstigen oder dem Gichtteufel Einlass in unseren Körper gewähren.

Wir müssen uns nur wieder dem widmen, was die ganze Zeit vor unseren Sinnesorganen wächst. Eine schöne Buchreihe dazu sind die von Michael Machatschek geschriebenen 4 Bände «Nahrhafte Landschaft». Darin geht es um Schwarztee aus Brombeerblättern, Oliven aus Kornellkirschen, um Speiselaub und vieles mehr. 

Das Argument des Unwissens       

Mit dem Unwissen zu argumentieren ist für mich die ehrlichste Art der Begründung. Das Wissen um ein Leben in Selbstbestimmung und in Harmonie mit seiner Mitwelt wird schon lange nicht mehr in unserer Kultur gelehrt und gelebt. Dennoch ist es nicht ganz verloren gegangen. Uns wird von Kindesbeinen an gelehrt, dass die Natur ein eher feindlicher Ort sei. In der Schweiz herrscht in einigen Teilen eine allgemeine Grundangst vor dem Fremden. Diese Angst ist so fundamental, dass es sogar einen Begriff dafür gibt: Die Xenophobie. In England lehrt man schon seit einigen Jahrhunderten, dass Pilze aus der Wildnis prinzipiell giftig sind. Als genau jene Engländer nach Neuseeland kamen und ihre Städte nach den europäischen Vorbildern nachbauten, brachten sie die europäischen Parkbäume gleich mit. An den Wurzeln jener Bäume wuchs unbemerkt das Myzel verschiedener Speisepilze. So kam es, dass ich nach Regenschauern im Park hinter unserer damaligen Haustür viele Maronen sammeln konnte. Die einzigen Mitsammler waren mittel- oder osteuropäischer Abstammung. Ihnen hatte niemand etwas von der Giftigkeit von Maronen erzählt. Ich erzähle diese Geschichte immer wieder, weil sie so schön aufzeigt, wie Unwissenheit und die Angst vor Unbekanntem eine Trennung zwischen uns und den Schätzen vor unserer Haustür schafft. Zum Glück gibt es viele Bücher, Videos und Blogs, die in diesen Punkten aufklären. Jemand muss es ja tun, wenn unser Schulsystem das nicht hinbekommt.

Ich empfehle immer wieder, mit dem schon bekannten anzufangen. Koste dich vom Löwenzahn über den Spitzwegerich zu Rosenblüten und Bucheckern, Schritt für Schritt in deinem Tempo durch. Danach kann ein Buch, wie das von Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann und Roland Spiegelberger (Enzyklopädie der Essbaren Wildpflanzen, imAT-Verlag erschienen), einfach Gold wert sein.     

Eine moderne Sammlerin oder Sammler

Jetzt im Frühherbst ruft der Hollerbusch!

Das Sammeln von Heil-, Lebensmittel-, Faser- Heiz- und Duftpflanzen macht Spass und ist unheimlich lehrreich. Wo wachsen welche Pilze? Wann kann man die Wurzeln der Grossen Bärenklette ernten? Kann man invasive Neophyten auch zu etwas gebrauchen? Wo wachsen welche Beeren und warum sind jene im Schatten immer so sauer? Wie macht man ein Seil aus Rinde oder Gräsern? Wie kann man sein Haus mit natürlichen Materialien dämmen? Warum sind Pflanzen wie der stinkende Storchschnabel an heissen Strassenrändern rot gefärbt und die im schattigen Unterholz grün? Woher kommt Ahornsirup und kann man ihn auch selber machen? Welche Pflanzen und Früchte verwendet man, um sich die Kleider und die Haare zu waschen? Welche Rinden helfen bei Ekzemen? Und so weiter und so fort. Fragen die nicht mehr viele Menschen beantworten können. Erfahrene Sammlerinnen und Sammler können das jedoch im Schlaf.

Das Sammeln von Lebensmitteln und Materialien für Gebrauchsgegenstände ist das Natürlichste der Welt. Es gibt noch einige Vereine und Clubs, die sich aufs Sammeln gewisser Dinge spezialisiert haben. Vornweg sind die Pilzsammlerfreunde. Dann gibt es noch Bastelvereine, Korbflechtverbände usw. Wenn auch selten geworden, kann man sich immer noch vernetzen. Meistens sind die Vereinskollegen mindestens doppelt so alt wie ich, doch auch sehr erfahren. Sie freuen sich darüber, wenn sich junge Menschen für ihr Wissen interessieren und auch sie noch gebraucht werden.

Als moderne Sammler knüpfen wir an eine Jahrtausende alte Tradition an. Wir verwenden dabei auch moderne Hilfsmittel wie Onlinekarten (z.B. die von Mundraub.org) oder Pflanzenbestimmungs-Apps und Bücher (mit Bestimmungsschlüssel). Die originalen Hilfsmittel wie die eigene Intuition, die Erfahrung und die Fähigkeit den Aufenthaltsort des Wildes, der Pilze oder jener Heilpflanze zu spüren, können die Gadgets aber niemals ersetzten.

Was ich Ende August/Anfang September so alles sammle   

Der August ist ein Früchtemonat! Nicht nur im Garten geht`s so richtig los, sondern auch jenseits des sicheren Hages. Viele Pflanzen sind in der Wildnis zwar essbar, aber für mich kulinarisch nicht interessant. Andere Gewächse überraschen dagegen mit komplexen, oft unerwarteten Geschmäckern und vielschichtigen Düften.

Nur wenige Menschen kennen Pesto aus Brennnesselsamen, Rohkostcracker mit den Samen des Breitwegerichs, Wildkarottensamen als Gewürz, den Geschmack von Bucheckern, die 50shades of Wildmirabelle oder den mehligen Duft des Mehlräslingspilzes. Menschen sind oft erstaunt darüber, dass es auch in den heimischen Gefilden Gewürze gibt, die exotisch und nach 1001 Nacht riechen. Die Wurzeln vom Tüpfelfarn (Engelsüss) oder jene der Nelkenwurz sind nur zwei Beispiele. Im Wasser wächst die pfeffrige Brunnenkresse und Kalmuswurzeln haben ebenfalls ihren eigenen, unbeschreiblichen Duft. Auch die verschiedenen Blüten, die in dieser Zeit in ihrer vollen Pracht stehen, überraschen mit Aromen und Odoren, die man so nicht kennt.  Mehr und mehr Spitzenköchinnen und -köche nehmen sich ihrer wieder an.

Die krautigen Teile vieler Wildpflanzen und die Baumblätter, die im Frühjahr noch so zart erschienen, sind nun ledrig und bitter. Medizinal sehr wertvoll, doch keine wirklichen Gaumenfreuden mehr. Ich orientiere mich also an jenen Pflanzenteilen, die erst vor kurzem gewachsen sind: Früchte, junge Triebe zurückgeschnittener Pflanzen, Samen und gelegentlich dem Harz oder dem Gummi verschiedener Bäume.

Jetzt sammelbar sind:

Früchte: Äpfel/Birnen (in alten Gärten und verwilderte Sämlinge), Zwetschgen (auch wild), die letzten Mirabellen (manchmal auch verwildert), Kirschpflaumen, Kornelkirschen, Sanddorn, Einheimische Haselnüsse (in all ihren Variationen), die Früchte der türkischen Baumhasel (meistens als Alleebaum gepflanzt), Him- und Brombeeren, späte Johannisbeeren, Walderdbeeren, wilde Heidelbeeren (der Oberknaller!), die ersten Hagebutten, die Beeren des schwarzen und roten Nachtschattens (davon nicht zu viele), Kratzbeeren, Feigen(manchmal in verwilderten Gärten zu finden), Aroniabeeren (ebenfalls verwildert oder sonst aus dem Garten), Holunderbeeren (rot und schwarz) und Feuerdorn.

Blätter: Jungtriebe der Brennnesseln, Wiesenbärenklau, Spitz- und Breitwegerich, verschiedene Wildkohlarten, Brunnenkresse, Bachbungenehrenpreis, junge Löwenzahnblätter, die Blätter des Wiesensalbei (als Gewürz), Gundermann (ebenfalls als Gewürz), Schafgarbenblätter (Gewürz und Tee), Malvenblätter, Fünffingerkraut und Gänsefingerkraut, Frauenmantel (junge Blätter im Salat oder sonst als Tee), Vogelmiere (immer noch superlecker), junger Ackeramaranth (bei uns vor allem A. retroflexus), die jungen Weinblätter, Kohldistel, Ackerkratzdiestel (die Pflanzen ohne Blütenansatz zum Entsaften), Hostablätter (auch in verwilderten Gärten zu finden), verschiedene Minzen (an Land und im Wasser)

Triebe:  frische Hopfentriebe

Blüten: Nachtkerze, drüsiges Springkraut, Habichtskraut, Malven, Stockrosen, männliche Zucchiniblüten (zu finden in Nachbarsgärten😉), wilder Oregano, Dahlien (auch aus dem Garten), Wasserdost, die letzten Löwenzahnblüten, Schafgarbe, Gänseblümchen, die letzten Wildrosen, verwilderter Straucheibisch (der winterharte Hibiskus), Glockenblumen, Storchschnabel, Karottenblüte (wenn sie noch keine Samen gebildet hat), die noch grünen Samenstände des Breitwegerichs (wegen seines pilzigen Geschmacks) , die letzten Weideröschen Blüten) die letzten Johanniskrautblüten, Rot- und Weissklee, Essigbaum

Samen: Wiesenbärenklau (die schmecken mir überhaupt nicht, anderen Leuten schon), wilde Möhre, Breitwegerich, Ackeramarant, Brennnessel, verschiedene Ampfer, wilde Karde, Mariendistel, Steine von Mirabellen und Zwetschgen (als Saatgut und zum Knacken wie Aprikosenkerne)

Wurzeln: Nelkenwurz, Tüpfelfarn (beides als Gewürz und Medizin), Kalmus und Löwenzahnwurzeln (die beim Jäten anfallen)      

Pilze: Sommersteinpilze, die ersten Pfifferlinge, Judasohren, verschiedene Porlinge (als Medizinalpilze), Lungenseitlinge, Wiesenchampions, Boviste (kommen bei uns leider selten vor). Anmerkung: Pilze gibt`s das Ganze Jahr hindurch. Ich kenne etwa 25 Arten und lerne im Moment soviel dazu. Es gibt im Internet so viele tolle Pilzsammelseiten.    

Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Beitrag zum Sammeln motivieren konnte. Fangt einfach mal bei den Arten an, die ihr sicher bestimmen könnt. Es macht riesigen Spass, Neues zu entdecken und seinen kulinarischen Horizont zu erweitern. Mit dem Sammeln bekommt man wieder einen Einblick in die Fülle, die uns eigentlich umgibt und mit dem Sammeln kann man auch Mitmenschen inspirieren, die Glyphosatspritze einmal mehr wegzulegen. Ich wünsche viel Spass, viel Erfolg und guten Appetit!

Übrigens: Wenn dir die Inhalte dieser Inhalte dieses Blogs gefallen und du mehr erfahren möchtest, dann folge uns doch, indem du den Knopf unter dem Artikel drückst. Weiterhin würden wir uns freuen, wenn du die Beiträge teilen würdest, sodass auch andere Menschen wieder in Kontakt mit sich selbst und der Natur kommen. Vielen Dank!

Ein tolles Onlinehilfsmittel für die moderne Sammlerin und den modernen Sammler:

Onlinekarte von verwilderten Fruchtbäumen, Obstbäumen in Parks, Obststräuchern, Kräutern und anderen essbaren Pflanzen im deutschsprachigen Raum:https://mundraub.org/map#z=7&lat=50.91&lng=11.56

Das könnte Dich auch noch interessieren:

Der vorherige Beitrag, auf den sich ein Teil des oberen Textes bezieht:https://erdwandler.com/2020/08/22/aussaat-im-august-selbstversorgung-ohne-stress-und-die-sommerfrage-wohin-mit-der-ganzen-ernte/

Ein spannender Beitrag über Kulinarisches aus der Wildniszone: https://erdwandler.com/2020/07/10/ernahrung-aus-zone-5/

Ein Saftrezept mit Wildpflanzen: https://erdwandler.com/2019/08/27/i-dont-weed-i-juice-mein-powersaft-aus-unkraut-so-viele-antioxiantien-in-nur-einem-getrank/

Ein toller Blog über Wildpflanzen: https://wildpflanzenliebe.wordpress.com/

Verlinkte Artikel und Quellen:

Artikel zum sinkenden Nährstoffgehalt inden Argrarproukten: https://www.freizahn.de/2017/06/naehrstoffgehalt-der-lebensmittel-sinkt-seit-dem-2-weltkrieg/

Ebenfalls ein spannender Artikel zum gleichen Thema: https://soils.wisc.edu/facstaff/barak/poster_gallery/minneapolis2000a/

Fotos und Text: Joscha Boner

Model: Désirée Kuhn

Gegenlesen: Michelle Krieg

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