Mulchologie Teil 3: Das C/N-Verhältnis. Wie schnell verrottet etwas?

Ein menschlicher Körper braucht etwa 2 Jahre um vollkommen zu Erde zu werden. Menschenkörper als Mulch zu verwenden würde sicher funktionieren, wenn da nicht immer das rechtliche in den Weg käme. Nunja, in diesem Beitrag der beliebten Mulchologie-Serie widmen wir uns dem Kohlenstoff/Stickstoff -Verhältnis (Carbon-Nitrogen-Ratio). Was im ersten Moment nach öder Mathe klingt, ist in Wirklichkeit höchst spannend. Denn es geht tatsächlich darum, wie lange etwas braucht, um wieder zu Erde zu werden. Wie du sicher weisst, ist das heutige Leben auf Kohlenstoff aufgebaut. Man findet ihn in Skeletten, Holz, Zellwänden und eigentlich in allen lebendigen Körpern. Wenn das Leben irgendwann einen solchen Körper verlässt, wird er wieder ein Teil des grossen Kreises. Die meisten Körper besitzen ebenfalls einen gewissen Anteil am Element Stickstoff. Ihn findet man in Form von Proteinen (Enzyme und Zellwände), Aminosäuren und vielen anderen Verbindungen und Stoffe in jenen Systemen. Gleich nach dem letzten Herunterfahren des Kreislaufs (dem Tod), beginnen tausende Mikroorganismen (je nach Körper zuerst auch grössere Organismen wie Geier oder Fliegen) den Körper zu zersetzen. Wie schnell das geht, hängt von der Temperatur, der Grösse des Verstorbenen, der Bodenaktivität, der Feuchtigkeit und eben von jenem Kohlenstoff zu Stickstoff Verhältnis ab. Wenn ein Weizenhalm seine Körner ausgebildet hat, dann trocknet er aus und pumpt quasi die letzten  Stickstoffreserven in die Reife seiner Nachkommen. In seinem Stängel bleibt fast nur noch der Kohlenstoff zurück. Deshalb spricht man bei Strohmulch von sehr C (für Carbon oder Kohlenstoff)-haltigem Mulch.

Beim biologischen Abbau von kohlenstoffhaltigen Materialien, brauchen die vielen Destruenten (Abbauende Tiere, Mikroorganismen, Pilze ect.) Stickstoff, um ihre eigenen Zellwände aufzubauen. Pilze, Würmer, Bakterien, Springschwänze ect. gewinnen ihre Energie wie wir Menschen aus Kohlenstoffverbindungen. Eine grosse Nahrungsquelle —z.B. ein Mulchbeet—bedeutet für sie: Party! Jetzt vermehren sich alle wie wild. Bei Bakterien kann das Teilen im Minutentakt eine wahre «Invasion» des Mulches bedeuten. Dies ist wichtig, um genug Aufräumer zu haben. All die Aufräumer müssen natürlich auch wachsen und brauchen Proteine für die Zellen ihrer Körper. Da Proteine vor allem aus Stickstoff bestehen, nehmen sie diesen aus ihrer Umgebung auf. Bei Stroh gibt es aber nicht so viel davon und bei Hackschnitzeln noch weniger. Diese Materialien verrotten langsamer und können sogar dazu führen, dass Stickstoff aus dem Boden, der eigentlich fürs Pflanzenwachstum gedacht war, plötzlich für den Aufbau von Bakterien und Pilzen, statt Kohlrabi, Salat und Rettich verwendet wird. Man bedient sich halt dort, wo`s was gibt. Die Pflanzen wachsen nur sehr langsam und zeigen Symptome eines Stickstoffmangels. Man nennt diesen Vorgang: Stickstoffinhibitation.

Aufs Verhältnis kommts an!

Das C/N-Verhältnis gibt nichts anderes an, als die Summe der Menge Kohlenstoff zu der Menge Stickstoff. Wie du bereits weisst, haben verschiedene Materialien verschiedene Verhältnisse. Man berechnet also in einem einfachen Bruch den Kohlenstoffanteil über dem Stickstoffanteil. Auf folgender Liste seht ihr ein paar solcher Zahlen:

MaterialC/N-Verhältnis
Algen 19
Apfeltrester 13
Blätter 54
Getreidespelz 50-80
Haferstroh 48
Harn 0,8
Heu (alt) 30
Heu von Hülsenfrüchten 16
Horn, Haare, Keratin 2,2
Hühnerdung 6-15
Kaffeesatz 20
Karotte (ganz) 27
Kartoffelkraut 25
Kartoffelschalen 25
Karton 400-563
Klärschlamm 5-16
Klärschlamm (aktiviert) 6
Kleie (Getreide) 30-50
Kohl 12
Küchenabfälle 20-25
Kuhdung 19
Laub 30-50
Laubhölzer (Durchschnitt) 560
Mais-Stiele 60-73
Maiskolben 56-123
menschl. Exkremente (Fäzes und Urin) 5-10
Mistsickersaft 2-3
Nadelholz (Durchschnitt) 641
Papier 100-800
Pferdedung (Pferdeäpfel) 25-30
Portulak 8
Rasenschnitt 12-19
Rinde (Laubhölzer) 223
Rinde (Nadelholz) 496
Rübe (ganz) 44
Rübenschalen 19
Sägemehl (roh) 511
Sägemehl verrottet 200-500
Schafdung 16
Schwarzerde 5-20
Schweinegülle 14
Silage (Welsches Weidelgras) 15
Sojamehl 4-6
Stroh (generell) 80
Stroh (Hafer) 60
Stroh (Weizen) 80-127
Telefonbücher 772
Tomaten 12
Urin 0,8
Wasser-Hyazinthe 20-30
Zeitungspapier 398-852
Zwiebel 15

Beim Mulchen, dem Mischen von Topfsubstraten und speziell fürs Aufschichten verschiedener Komposte achte ich auf den Kohlenstoff- und den Stickstoffgehalt der verschiedenen Zutaten. Meistens schaue ich jedoch zuerst, welche Materialien überhaupt verfügbar sind. Das Angebot variiert von Jahr zu Jahr und ich arbeite gezwungen opportunistisch.

Du kannst mit den verschiedenen Mulchen die Bevölkerungszusammensetzung deines Bodens beeinflussen. Eine Pilzförderung erreichst du mit ligninhaltigen Stoffen wie Hackschnitzel, Ästen, Laub und Sägemehl. Wegen der oben genannten Stickstoffinhibitation empfehle ich, diese zuerst bis zur Reife zu kompostieren (was Jahre dauern kann). Menschen wie Paul Gautschi von Back to Eden Gardening, scheinen jedoch mit ihren woodchips (Hackschnitzel) kein Problem damit zu haben. Ich denke das liegt daran, dass bereits ein fantastisches Mykorhizzanetz im Boden vorhanden ist und so kein Stickstoff aus direkter Umgebung gebunden werden muss. Wenn viel Kronenmaterial, also vor allem Blätter im Häckselgut sind (70% Blätter und 30% Holz), dann besitzt die Mischung zwar einen schlechten Heizwert, ist aber fürs kompostieren ideal. Die Blätter bringen den Stickstoff in die Rotte. In der Schweiz bekommt man meistens im Winter geschlagenes Holz ohne grösserer Mengen Stickstoff. Ich würde also Paul Gautschi`s Methode nicht einfach so kopieren (ausser man kommt an geeignetes Material heran). Hackschnitzel sind fantastisch, doch für Gemüse würde ich sie noch mit Grassschnitt, Silage, Mist oder Brennnesselschnitt mischen, um das C/N-Verhältnis auszugleichen. Ebenso wichtig, wie die Zusammensetzung der Elemente, ist die Schichtung (speziell bei dickeren Mulchschichten über 2 cm). Wenn man zu viel stickstoffreiches Material mulcht, boomt das Leben und verbraucht allen Sauerstoff. Die Mulchschicht wird anaerob (sauerstoffarm) und beginnt zu faulen. Pilze im Boden sind gut, es kommt jedoch auf die Art an. Fäulnispilze treten z.B. in zu dicken Mulchschichten mit frischem Grasschnitt auf (erwähnte ich bereits im zweiten Teil dieser Serie). Ihre Stoffwechselprodukte sind Giftstoffe für Gemüse und Co. Damit sie nicht auftreten und dafür die nützlichen Pilzarten (wie Hefen, Trichoderma ect.) gefördert werden, müssen wir unbedingt als Gärtner darauf achten, mit strukturierendem Material wie Strohhalmen, Laub und kleinen Ästen, eine Auflockerung zu erhalten. Sauerstoff kann dann viel einfacher zu den arbeitenden Mikroorganismen fliessen und Fäulnis ist kein Problem mehr.

Wie beeinflusse ich die Verrottungsgeschwindigkeit und sogar die Temperatur des Bodens? Warum ist das überhaupt wichtig?

Ist es eigentlich gar nicht, wenn du für die erwähnte Auflockerung und die Ungiftigkeit der verwendeten Materialien sorgst. Alles wird irgendwann wieder einmal zu Erde werden. In den Zonen direkt ums Haus, im Küchengarten und auf Gemüsefeldern und Äckern ist es jedoch von grossem Vorteil, die Verrottung mehr oder weniger im Griff zu haben. Stell dir mal vor, du möchtest im März etwas säen und der Boden ist immer noch unter der Mulchschicht gefroren, ein gewisses Mulchmaterial fördert Schädlinge oder unverrottete Äste verunmöglichen ein Vorankommen beim Pflanzen von Setzlingen. Je kleiner das C/N-Verhältnis, desto schneller verrottet der Mulch, kann aber auch Fäulnis begünstigen. Je grösser, desto langsamer geht`s.

Ich starte im Februar, indem ich die Beete von den Resten abfrierender Gründüngung oder Mulchmaterialien befreie. Dann gebe ich eine dicke Schicht Kompost auf die Erde. Der reife schwarze Kompost kann mehr Wärme absorbieren; die Erde erwärmt sich schneller. Der erste Lebendmulch kann bei uns schon Mitte März als Spinat gesät werden. Sobald die Setzlinge gepflanzt sind, mulche ich mit den Resten der vorjährigen, meist trockenen Mulchmaterialien. Die nächsten Jahre möchte ich mit Grassilage als Frühjahrsmulch (noch vor der ersten Mahd) experimentieren. Falls du damit schon Erfahrungen gesammelt hast, dann hinterlasse mir doch bitte ein Kommentar. Mit einer vorherigen Kultur(Garten)-Planung versuche ich die Pflanzen so zusammen zu stellen, dass sie sich nicht nur gegenseitig fördern, sondern auch den Boden so rasch wie möglich bedecken. Wenn ich sehr holzreichen Mulch brauche, versuche ich ihn entweder direkt mit Grasschnitt, frischen Baumblättern (eher aufwendig) oder Brennnesseljauche auszugleichen. Eine andere Methode wäre ein besäen der gemulchten Beete mit Stickstoffixierern wie Klee, Buchweizen oder Luzerne. Sie fördern die Verrottung des kohlenstoffreichen Holzes (Sepp Holzer säte seine Hügelbeete immer direkt mit Lupinen ein). Zur Rotteförderung streue ich, speziell in dickeren Mulchen Steinmehl zwischen die Schichten. Im Herbst, nach dem die lange dauernden Kulturen abgeerntet wurden, versuche ich abermals, den Boden so schnell wie möglich wieder zu bedecken. Da ich denke, dass regenreiches Wetter im Spätherbst reinen Kompostmulch ausschwämmt, benutze ich entweder eine Gründüngung oder Stroh, Heu und Laub als Abdeckung. Wo ich die Materialien herbekomme, wenn ich sie nicht selber anbauen kann, beschrieb ich in Teil 2 dieser Serie.

Zusammenfassung:

-Verschiedene Mulchmaterialien haben entweder mehr Stickstoff (wie frischer Grasschnitt), mehr Kohlenstoff (wie Stroh, Holzhackschnitzel) oder sind sehr ausgeglichen (wie Heu, wobei sich die Verhältnis mit späterem Schnitt Richtung C verschiebt).

-Heu ist nicht gleich Stroh. Stroh sind die Halme von Getreide, die nach dem abtrocknen der Pflanze geerntet werden. Fürs Heu dagegen schneidet man Gras und vielfach Blumen im grünen Zustand und lässt sie danach trocknen. Der Stickstoffgehalt ist dann noch hoch!

-Die Schichtung der Materialien entscheidet über gelingen oder Scheitern des Mulchs. Achte auf eine gute Durchlüftung der unteren Schichten und vermeide zu viel stickstoffreiches Material wie Rasenschnitt aufeinander; sonst entsteht toxische Fäulnis.

-Zur Rotteförderung kann Steinmehl zwischen die Mulchschichten gestreut werden.

-Das C/N-Verhältnis ist das Ergebnis einer Bruchrechnung, in der die Menge an Kohlenstoff im Zähler und die Stickstoffmenge im Nenner steht. Je kleiner das Resultat, desto schneller verrottet das Material und umgekehrt.

-Reifer, dunkler Kompostmulch wirkt wie ein Wärmemagnet im Frühjahr, wenn es auf schnelle Bodenerwärmung ankommt.

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Quelle C/N-Verhänistabelle: http://natuga.de/kompostieren.html

2 Kommentare zu „Mulchologie Teil 3: Das C/N-Verhältnis. Wie schnell verrottet etwas?

  1. Hast du Erfahrung
    mit Pflanzenkohle , beim mulchen von Heidelbeeren weil nicht seurebildend
    Mit was könnte man die Pflanzenkohle laden?
    Mulch Masse ( Maroni Igel und Sägemehl)
    Lg christian

    Ps. Viel Erfolg in uerkheim

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    1. Hallo Christian
      Nein, ich habe keine Erfahrung mit Pflanzenkohle bei Heidelbeeren. Die Pflanzenkohle kannst du mit einem Massenanteil von 10% in einen frisch angesetzten Kompost geben. Die Mikroorganismen werden sich dann in der grossen, porigen Oberflächenstruktur einrichten. Du kannst sie alternativ auch etwa eine Woche in Komposttee oder reife Jauche tauchen. Maroniigel und Sägemehl lassen sich gut kompostieren, wenn sie etwas Stickstoff bekommen (Pferdemist, Grassschnitt, Küchenabfälle, Kaffeesatz (übrigens auch gut bei Heidelbeeren) oder Urin. Als Mulch habe ich die Igel noch nicht ausprobiert. Sägemehl kann auch (wiederum mit Stickstoff) als Mulch bei den Beeren eingesetzt werden.
      Lg Joscha

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