Das Wunder der Linde

Anschliessend an meinen Beitrag „Laub, ein vergessenes Lebensmittel“, möchte ich in diesem Beitrag noch ganz genau auf die wunderbare Linde, ihre Nutzung und ihre Standortansprüche eingehen. Weiterhin gibts noch ein Rezept für nen bomben Lindensmoothie und ich zeige dir, wie ich mein Salat zubereite. Wenn du den vorherigen Artikel noch nicht gelesen hast, kann ich dir empfehlen, dies vorher zu tun (https://erdwandler.com/2019/02/14/laub-eine-vergessenes-lebensmittel/). Mit folgendem Wissen, könnte ein Permakultursystem mit und um die Linde gestaltet, der Speiseplan erweitert, der Medizinschrank ergänzt oder einfach ein toller Baum, viel mehr geschätzt werden.
Schon im Mittelalter wurde die Linde als eines der wichtigsten Hausheilmittel angesehen (Anmerkung: Auch schon die Kelten und noch frühere Kulturen schätzten sie sehr). Heute kennen die meisten Menschen in Mitteleuropa nur den Lindenblütentee. Dass Blätter, Rinde und sogar das Holz medizinal genutzt wurden, dürfte jedoch weniger Menschen bekannt sein. Wenn ich unter einem dieser Bäume stehe, fliesst durch mich eine mütterliche, warme, liebliche und behütende Empfindung. Interessanterweise immer die gleiche oder sehr ähnliche unter verschiedenen Linden.
Im deutschsprachigen Raum sind vorallem die Winterlinde (Tilia cordata) und die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) heimisch. Ergänzt werden die beiden Arten mit der Silberlinde (Tilia tomentosa), die aber eher im Süden Europas vorkommt. Alle Arten sind essbar und kulinarisch sehr interessant.


Nutzung
Die Linde ist den meisten Menschen, wie bereits erwähnt, nur noch in Form von Lindenblütentee bekannt. In früheren Zeiten nutzte man jedoch ihr Laub, um sich selbst oder seine Tiere zu ernähren. Linden wurden regelmässig geschnaitelt, was man einigen Exemplaren bis heute ansieht. Im Buch Laubgeschichten, von Michael Machatschek, wird ihre Anwendung bis ins Detail beschrieben. Die Linde gehört zu den Malvengewächsen (Malvaceae). Zu dieser Familie gehören viele der Pflanzen, die ich als Teil meiner Ernährung sehe. Ich kann die Linden somit zur Familie der Salatbäumen zählen.


So verwende ich sie:
Knospen: Die Knospen können, wenn sie gerade dabei sind, die Blätter zu schieben (anfang April), geerntet und roh genossen werden. Alternativ werden sie als Kapern eingelegt, um später im Jahr ein leckeres Topping für Salate oder Cracker abzugeben.
Blüten: Überaschung, man kann Tee daraus machen! Alternativ können die getrockneten Blüten zu Blütenpulver vermahlen werden und zusammen mit getrocknetem Waldmeister ein Gewürz für Süssspeisen und Smoothies ergeben.
Bätter: Die Blätter schmecken im Frühling kopfsalatartig mit leichter Zitronennote. Im Herbst sind sie eher geschmacksvoller und herber, dennoch sehr appetittlich. Sie können als Salat gegessen, als Umschlag für Fingerfood genutzt, eingesäuert als Sauerkraut konserviert oder entsaftet werden. Für den Wintervorrat werden die Lindenblätter im schatten getrocknet und zu Pulver vermahlen. Lindenblätter sollten sich ebenfalls für die Herstellung von Schwarzteeersatz (durch Fermentation) eignen.

Die Lindenblätter sind herzförmig


Holz: Das Holz kann verkohlt werden und neben der Anwendung als Zahnputz- und Entgiftungskohle, zur Färbung von Lebensmitteln genutzt werden: Beispiel: Schwarze Guacamole. Fürs Kunsthandwerk ist das helle, weiche Holz bestens geeignet.


Rezepte zur Verwendung der Blätter

Hier zeige ich euch, wie ich die Lindenblätter als Salat verwende.

Ein Bombensmoothie aus Lindenblättern

In Grünen Smoothies können die Blätter bestens verwertet werden. Im Gegensatz zum viel verwendeten Spinat, haben sie keine Oxalsäure, die Kalzium im Körper bindet und langfristig zu Nierensteinen führen kann. Sie sind mild und einfach super am morgen, speziell für Menschen, die sich nicht gewöhnt sind, viel Grünzeug zu essen,

Folgende Zutaten sind in meinem Lindensmoothie:

2 reife Bananen (diese sind sogar aus Europa!)

1 Handvoll Cashewnüsse eingeweicht (für die Cremigkeit)

2 El Sesamsamen (fürs Kalzium und den guten Geschmack)

2 Handvoll Lindenblätter (Sommer- oder Winterlinde)

6 Brennesselspitzen (Eisen+)(Wenn man sie zerdrückt oder mixt, brennt es nicht mehr!)

ca. 5 Fichtenspitzen (Vitamin C ohne Ende und antikanzerogene Terpene)

Zimt (zur Verfeinerung und extra Antioxidantien)

Anmerkung: Anstatt der Cashews nehme ich meistens selbstgesammelte Walnüsse, Mandeln (aus Italien) oder ebenfalls heimische Haselnüsse

Alle Zutaten im Überblick.

Zubereitung:

Für diesen Smoothie empfehle ich einen Hochleistungsmixer wie den Vitamix. Das Rezept kann ebenfalls mit einem Pürierstab gemacht werden, wird dann aber nicht so cremig.

  1. Etwas Wasser (ca. 2 dl) in den Mixbehälter vorlegen
  2. Alle grünen Zutaten obendrauf.
  3. Dann kommt noch der Rest.
So sieht es vor dem Mixen aus.

5. Deckel drauf, Mixen, servieren und geniessen.


Meine Energie ist danach einfach überwältigend!


Weiter wichtige Nutzen:
Die Linde ist zur Vollblüte eine wichtige Bienenweide, die mit ihrem lieblichen, betörenden Duft tausende Insekten anzieht und verköstigt. Das Summen gleicht einem Konzert, untermalt mit Honigduft.
Die Rinde, beziehungsweise der Bast im Wurzelbereich, wurde laut Jost Trier, in Skandinavien zur Herstellung von Gewändern verwendet.
Die grösseren Blätter der Sommerlinde können als Toilettenpapier verwendet werden, wobei wobei ihre feine Behaarung beim Reinigungsvorgang hilft.
Lindenblätter ergeben einen sehr guten Kompost und vererden, im Vergleich zu Eichen- und Walnussblätter extrem schnell. Allelopathie (die Unterdrückung anderer Pflanzen durch Giftstoffe) kann nicht beobachtet werden.

Tipp für Singles: Ach wie viele Pärchen haben sich schon unter einer Linde verliebt und ihre Initialen, mit grossem Herz umrahmt, in ihren furchigen Stamm geschnitzt. In Zeiten von Tinder und Co.etwas unbekannt, doch sicher wirksam. Dann hiesse es „L“inder…


Inhaltsstoffe
Die Linde wird traditionell als beruhigendes Mittel (auch in der Sprache fussend: gelinde gesagt, lindern, Lindheit), als Fiebersenker (Fieber lindern) und bei Erkältungen eingesetzt.
Linden enthalten, wie viele Pflanzen, Flavonoide (antioxidative, antifungale und antibakteriella Farbstoffe). Bekanntheit erlangten diese Stoffe durch den Grüntee, der in den letzten Jahren so gehyped wurde, vielfach zurecht. Insbedsondere zu erwähnen sind das Quercitrin (eine Form des Quercetin), Hyperosid, und das Rutin, die eine antikanzerogene (anti-krebs) Wirkung im menschlichen Körper haben. Dies tun sie, in dem sie (unter anderem) freie Radikale „fangen“, die sonst gesunde Zellen angreifen würden. Um die antioxidative Wirkung zu erhalten, empfehle ich, Lindenblätter nicht zu kochen oder über 40 °C zu trocknen. Die Verbindungen reagieren dann noch schneller mit dem Sauerstoff in der Luft und können genau diese Reaktion (die Reduktion, darum Antioxidans) nicht mehr in unseren Zellen machen, wo wir sie eigentlich bräuchten.
Dazu kommen noch Glycoside wie Tiliracin und Astralagin, die ebenfalls entzündungshemend sind. Schleimstoffe in den Blättern helfen bei Reizungen der Schleimhäute. Sie „lindern“ also auch trockenen Husten. Dazu kommen die 2- 3% kondensierte Tannine in den Blättern, die heute als therapeutisch wirksam gilten.
Anmerkung: Wie wir aus der Homöopathie wissen, kommt es nicht immer nur auf die Menge der Wirkstoffe an.

Die Linde als Element in der Permakulturgestaltung
Der Mittelpunkt eines Tanzfestes war oft…..genau eine Linde; daher auch Fest- oder Tanzlinde. Man findet sie oft in Biergärten oder als Dorflinde auf dem Dorfplatz. In einer Familiensiedlung könnte sie zu Ehren unserer Ahnen und ihrer Traditionen an einen Treffpunkt gepflanzt werden.
Wurzelsystem: Die Wurzeln der Linde können bis zu einem Meter in die Tiefe reichen und bilden ein Herzwurzelsystem (ein Wurzelwerk, das sowohl in die Breite als auch etwas in die Tiefe geht). Jede Hauptwurzel kann bis zu 1 Meter dick werden.
Bodenbedingungen: neutral bis leicht basisch auf lehmigem bis sandigem Boden.
Licht: Die Linde mag eher schattige bis halbschattige Plätze, was sie als Waldbaum auszeichnet. Als Solitärbaum findet man sie jedoch auch auf freiem Feld in praller Sonne.


Natürlicher Lebensraum der Linde in Mitteleuropa:
Lindenmischwald (Tilion platyphylli) mit Nebenarten wie der Pimpernuss (Staphylea pinnata), Schneeball-Ahorn (Acer opalus), Haselnuss (Corylus avellana), Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis). In ihm kommen sowohl die Sommer als auch Winterlinde vor.
Dieser Lindenmischwald kann in der Permakulturgestaltung nachgeahmt werden. Die oben genannten Acerarten könnten mit dem Zuckerahorn (Acer saccharum) für Ahornwasser und -sirup ergänzt werden. Die Pimper- und die Haselnüsse sind essbar und können mit ertragreicheren Sorten ersetzt werden. Da diese Waldgemeindschaft einen eher kalkigen Boden bevorzugt würde ich noch Bärlauch, Maibeere, Knollenziest am Boden und Weinreben als Kletterer pflanzen. Äpfel, Birnen und Feigen dürfen nicht zu nahe an die mächtigen Linden heran, da sie um Nährstoffe konkurieren könnten. Diese Gewächse dürfen etwas entfernt stehen. Als Förderpflanzen kann ich folgende Strauch- und Baumleguminosen empfehlen: Der Erbsenstrauch (Carragana arborescens), die Strauchkronwicke (Hippocrepsis emerus), den japanischen Schnurbaum (Styphnolobium japonicum) sowie die Gleditschie (Gleditsia triacanthos). Sie alle gedeihen an ähnlichen Standorten und erfüllen selbst manigfaltige Nutzen
Wichtig: Linden dürfen ihrer enormen Wurzeln wegen, nicht in die Nähe von Leitungen, Strassen oder Fundamenten gepflanzt werden, sie sprengen sogar Asphalt. Was für ein starker Baum!

Wie unterdscheide ich nun die Winter- von der Sommerlinde?
Zugegeben, die Unterscheidung zwischen den beiden Arten ist nicht immer einfach. Es kommen zudem immer wieder Mischformen vor (Tja, die Natur lässt sich nicht immer kategorisieren). Es gibt jedoch verschiedene Merkmale, an denen ihr sie ausseinander halten könnt:


Knospen als Unterscheidungsmerkmal:
Die Winterlinde hat gelbliche Knospen (im Vergleich zu den rötlichen der Sommerlinde). Ich habe mir folgenden Spruch dazu ausgedacht: Die Winterlinde trägt die fahle, mattgelbe Farbe des Schnees (Anmerkung: Don`t eat yellow snow!) und die Sommerlinde das Feuer des heissen Sommers in ihren roten Knospen. Hier kommt es aber widerum zu Unterschieden der Sonn- und Schattenseite.

Unterscheidungsmerkmal der Blätter
Die Blätter der Sommerlinde sind etwa 8-12 cm lang, gleichmäßig grün und krautig, beidseitig samtig behaart. Auch die Blattstiele weisen eine Behaarung auf. Auf der Blattunterseite befinden sich weißliche Achselbärte, die sich zum Spätsommer bräunlich färben. Die Winterlinde hingegen besitzt kleinere, etwa 4-7 cm lange Blätter, die ledrig sind und eine hellere, blau- bis graugrüne Unterseite aufweisen. Der Blattstiel und das Blatt selbst sind auf der oberen Seite kahl, während die untere Seite mit bräunlichen Achselbärten versehen ist. (Quelle: Gartenjournal.net)


Unterscheide in der Wuchsform
Linden wachsen bei uns in der Kulturlandschaft Mitteleuropas als Solitärbäume (einzeln) oder als Teil des Laubmischwaldes. Sie werden bis zu 40 m hoch und können länger als 800 Jahre leben (siehe Linner Linde im schweizerischen Kanton Aargau). Die Sommerlinde hat einen höheren Lichtbedarf als die Winterlinde und bildet deshalb eine dichtere Krone aus. Die Kronendichte wird jedoch vorallem von Standorten und Klima beeinflusst.


Blüten und Früchte
Die beiden Lindenarten können im Alter von 10-20 Jahren Blüten bilden, was im Hinblick auf ihre Lebenserwartung (bis zu 1000 Jahre) recht früh ist. Der Blühbeginn ist unterschiedlich, auch abhängig von dem Standort und Wetterverhältnissen. Allgemein setzt die üppige Blüte im Juni ein, wobei die Sommerlinde etwa 10-14 Tage früher blüht als die Winterlinde. An dem Blütenstand der Winterlinde befinden sich 5 bis 11 weißliche Blüten. Die Blütenstände der Sommerlinde tragen lediglich 2 bis 5 weißlich-grünen Blüten.
Die Lindenblüten locken allerlei Insekten an, die für die Bestäubung sorgen. Die Blüten verwandeln sich in Früchte: groß, holzig und ausgeprägt kantig bei der Sommerlinde; weich, dünn und leicht zerdrückbar bei der Winterlinde. Viele Früchte enthalten keine Samen, die Vermehrung der beiden Lindenarten durch Samen ist in der Natur deshalb eher selten. Die vegetative Vermehrung durch Stock- oder Wurzelausschlag ist die häufigere Art der Vermehrung bei den heimischen Lindenarten. (Quelle: Gartenjournal.net)


Wenn dir der Beitrag gefällt und du noch mehr über Permakultur, andere Wunderbäume, lebendige Nahrung und das Wissen unserer Ahnen erfahren möchtest, dann folge mir doch, indem du unten auf den Knopf drückst.

2 Kommentare zu „Das Wunder der Linde

  1. Hallo. Mit viel Freude habe ich deinen Lindenblüten Blog mit tollem Smoothie Rezept gelesen. Vielen Dank! Herzliche Lindenblüten Grüsse Sandra

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