Wir sind alle Ureinwohner

Wie romantisch es doch klingt, wenn wir hören, wie die Indianer im Einklang mit ihrer Umgebung leben, wie die Aboriginals ihre wichtigsten Wege singen und so die sogenannten «songlines» ihren Mitmenschen weitergeben oder wie die Steppenvölker der Mongolei alle Pflanzen und ihre Heilwirkung kennen. Völker, die ohne Krankenversicherung, Spital, Handy, Polizei und Amazon auskommen und sogar noch gut dabei leben können. Verwurzelt in ihrer Mitwelt und in Verbindung mit sich selbst, den Ahnen und dem grossen Geist. Wie viele von uns haben als Kinder Indianer gespielt, wollten Schamane werden oder in einer Jurte in der Natur leben; einfach ein Leben als Ureinwohner führen.

Feuertänzer Foto: Thomas Kelley

In der jüngeren Geschichte sind Kolonialmächte wie England, Niederlande, Frankreich und Spanien nicht sehr freundlich mit den Kulturen umgegangen, denen sie auf ihren Reisen zu «neuentdeckten» Ländern begegneten. Filme wie «Australia» zeugen davon.

Die Traumpfade oder Songlines der Aboriginals.
Künstler: Walangari Karntawarra

In Neuseeland wohnen die stolzen Maori, die sehr auf ihre Heimat bedacht sind. Fakt ist jedoch, dass auch sie erst 1000 Jahre in Aotearoa (Maoriname für Neuseeland) leben und vor ihnen wahrscheinlich schon Chinesen und die Phönizier da waren, die Inseln aber nie länger bewohnt hatten.

Genauso wie es nicht DIE Indianer, gibt es auch nicht DIE Maori. Kaum nach Amerika gekommen, nannte Kolumbus die gesamte Bevölkerung Indianer, da er dachte, einen neuen Seeweg ins Gewürzland Indien gefunden zu haben. «Die Indianer» bestehen wie «die Maori» aus verschiedenen Stämmen und Völkern, wobei die Maori etwa alle aus der gleichen Region (Polynesien oder ihrem Mutterland Hawaiki) kommen. Maori bedeutet nichts anderes als «gewöhnlicher Mensch». Als Captain James Cook als erster Engländer und nach Abel Tasman, 1642 nach Neuseeland kam, trafen auch er und seine Crew auf die dortige Bevölkerung. Auf die Frage, wer sie denn seinen, bekam er die Antwort:  «Maori!». Der Name blieb und dient heute als Identifikationswort. Interessant finde ich, dass sich viele Menschen, deren Geschichten und Lebensstile noch so sehr mit ihrer Mitwelt verbunden sind, als «Natives» also native (dort Geborene), bezeichnen. Wie viele Generationen müssen denn Menschen, frage ich mich, an einem Ort leben, dass auch sie zu den «hier Geborenen» zählen?

Ich denke die Abgrenzung zwischen «Native» und «Non-Native» entstand durch den Versuch, eine Kultur samt ihrer Geschichte und Sprache auszulöschen. Der Begriff könnte dazu gedient haben, eine Grenze zu schaffen, dass die neue und aufgezwungene Kultur, nicht die eigene zerstörte. Im Gespräch mit Maoris, sind wir gemeinsam zur Erkenntnis gekommen, dass wir alle Ureinwohner sind. Jeder von uns wurde irgendwo geboren. Wir alle haben irgendwo eine Heimat (jedenfalls wünsche ich mir dies für jeden Menschen) und, wenn auch nicht immer bewusst, unsere Wurzeln. All die Sehnsucht nach Verbundenheit und Verwurzelung, die wir hier in den westlichen Ländern auf die freien Völker der Welt projizieren, kommt daher, so glaube ich, dass wir unsere Wurzeln und Bestimmungen nicht mehr kennen. Wir sind Ureinwohner! Auch wenn wir es nicht bewusst miterleben, sind wir abhängig von unserer Mitwelt, haben auch wir Kontakt zu unseren Ahnen und stehen mit der feinstofflichen Welt im Austausch. Jeder von uns träumt doch jede Nacht!

Ich zum Beispiel bin ein Ureinwohner der Alpen. Dies hat nur wenig damit zu tun, dass ein Teil meiner Blutlinie von den Walsern abstammt. Ich bin hier und ich bin jetzt, verbunden mit meinen Ahnen, der Erde und dem grossen Geist; stehe im Austausch mit dem Kosmos und trage das Wissen der Heilpflanzen. Als Schamane würde ich mich jedoch nie bezeichenen, da dies eine Rolle ist, die Menschen übernehmen, in deren Kulturen die geistige Welt alltäglich ist und mit ihr umgegangen wird, als würde sie einfach dazugehören. Trotzdem fühle ich mich verwurzelt.

Wenn wir gerade über Heilpflanzen sprechen: Auch wir hier in Europa haben mächtige Heil- und Ritualpflanzen. Tollkirsche, Bilsenkraut, Zauberpilze wie Fliegenpilz und kahlköpfiger Kehlkopf(keine Pflanze, ich weiss), Wachholder, Alraune und Hanf bilden nur die Spitze des Eisberges. Durch die Katholisierung und die darauffolgende Kapitalisierung, ist das Wissen um ihre Macht verschüttet worden. Christian Rätsch, Wolf-Dieter Storl, Herman de Vries, Claudia Müller-Ebeling und noch viele weitere haben fantastische Bücher darübergeschrieben. Feiertage wie: Winter- und Sommersonnenwende, Erntedank, die Rauhnächte, Tag/Nachtgleiche und alle anderen Festivitäten des Jahreskreislaufes, warten nur darauf, wieder gefeiert zu werden! Ich denke, was wir oft als heidnisch bezeichnen, fusst wieder auf einer Trennung zwischen uns, den Gläubigen und denen, den Heiden. Die Heiden sind jedoch auch unsere Ahnen und sie würden sich freuen, wenn wir sie wieder ehren und schätzen.

Der mächtige Fliegenpilz (Amanita muscaria), wurde und wird zur Wintersonnenwendfeier eingesetzt. Das Pilzwesen sollte vorher getrocknet werden und wirkt dann in die Tiefe führend, vergrössernd oder erheiternd.

Wir sind indigen und wir sind Ureinwohner! Auch wir haben das Geburtsrecht, frei zu sein. Auch wir sind Bürger dieser Erde und haben das Recht, unsere Geschichte zu erfahren! Du und ich sind wie Bäume, stark verwurzelt in unserer Mutter Erde, aber unsere Kronen ekstatisch dem Himmel entgegenstreckend. Wir sind Lichtwesen, die so viel mehr können, als jeden Tag 8 Stunden lang im Büro zu arbeiten (Anmerkung: es gibt aber auch Menschen unter uns, die absolut glücklich damit sind). Wir können stolz darauf sein, zu den Ureinwohnern dieses schönen Planeten zu gehören.     

Beitragsbild: Christina Gottardi

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