Opiumersatz aus wildem Lattich. Wie ich ein natürliches Schmerzmittel aus Stachellattich herstelle

Disclaimer: Es handelt sich hier nicht um Opium oder eine opioidhaltige Substanz und fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Noch wirkt Lattichmedizin wie Opium.


Ja, ich weiss, Stachel-/Kompasslattich (Lactuca serriola) ist nicht das Gleiche wie Giftlattich (Lactuca virosa), aus dem ursprünglich ein wirksames Schmerzmittel gewonnen wurde. Laut Literatur wirkt jedoch auch der Erste ähnlich, wenn auch nicht so stark. Da bei uns im Garten ein Wald von Kompasslattich stand und Giftlatich in unserer Gegend eher selten vorkommt, nahm ich, was da war. Die Medizin wird aus dem Milchsaft, dem sogenannten Lactucatorium hergestellt, der bei beiden Pflanzen an jeder Verletzungsstelle austritt. In ihm sind keine Opioide sondern Sesquiterpene-Lactone enthalten. Viel Forschung über L. serriola gibts jedoch nicht. Beide Pflanzen wirken bewiesenermassen, entspannend und entzündungeshemmend im Darm. Die vielen Antioxidantien lassen ihn für die Krebsprävention interessant erscheinen.
Im ersten Weltkrieg war der Bedarf nach Schmerzemitteln gross; der Opiumpreis ebenfalls. In Deutschland wurde daraufhin die Produktion des nichtsüchtigmachenden Opiumersatzes angekurbelt und Giftlattich felderweise angebaut. Nach dem Krieg fiel die Produktion in einen Dornrösschenschlaf, um in der zweiten Runde des globalen Wahnsinns, 1939 wieder wachgeküsst zu werden. In Zeiten von Ibuprofen und Paracetamol, die nebenbei gesagt nicht ungefährlich sind, trat das Wissen wieder in den Hintergrund.
Meine eigene Apotheke ist schon voll mit Mitteln gegen Kopf-, Glieder-, Liebes-, Muskel-, Gelenk-, und Ohrenschmerzen; da mich aber beide Pflanzen extrem faszinieren, konnte ich nicht anders und musste die Medizin einfach nachgekocht. Da ich kein konkretes Rezept für Lactuca serriola fand, griff ich auf meine jahrelange Erfahrung in der Herstellung von Naturmedizin zurück und schaute auf anderen Blogs vorbei. Das Ergebnis war fantastisch. Sieht wie Fruchtleder aus, schmeckt aber super bitter.


So nebenbei: Der Stachellatich im Vergleich zum gezüchteten Salat
Alle herkömmlichen Salatarten (Kopf, Lollo rosso, Krachsalat, Buttersalat ect; aber nicht Endivien!) wurden einst aus den wilden Salatarten (L.serriola und -virosa) gezüchtet. Sie haben jedoch nicht mehr die Bitterstoffe, die uns heilen, im Geschmack aber den westlichen Gaumen stören. Genau diese Bitterstoffe sind aber wichtig für uns. Eine Studie von horticulture research 2015 beweist, dass die wilden Arten dem gezüchteten Salat (L.sativa) in puncto Antioxidantien haushoch überlegen sind. Das heisst nicht, der gekaufte Salat sei nicht gesund, sondern dass Wildsalat im Vergleich einfach noch stärker ist. Im Wildsalat wurden hohe Anteile an Polyphenolen, Carotinoiden und Quercetinen gefunden, wobei letzteres bewiesen gegen verschiedene Krebsarten wirkt.

Quelle: Siehe am Ende des Beitrags

Ich empfehle deshalb, den Stachellattich als Pulver oder wenn jung als Salat in deine Ernährung einzubeziehen; genau wie ich es getan habe. In der unteren Grafik findest du eine Gegenüberstellung der Inhaltsstoffe von Zucht und Wildsalat. Wie du erkennst, sind im wilden Stachellattich (Lactuca virosa)viel mehr antioxidative Stoffe enthalten wie in Lactuca sativa, der wie sativa schon sagt, gezüchtet wurde.

Quelle: Siehe unten im Text


So kannst auch du dir ein Schmerzmittel aus dem Stachellattich machen.
Anmerkung: Das Rezept funktioniert auch beim Original, dem Giftlattich!

1.) Zuerst musst du natürlich den Lattich finden oder ihn anbauen. Bei uns wuchs er halbwild auf dem Beet.

Den Stachellattich erkennst du an den Stacheln der Hauptblattnerve. Weiterhin tendiert er dazu, seine Blätter senkrecht zu drehen (sie sehen dabei wie die Nadel/Pfeil eines Richtungsweisers aus, darum auch Kompasslattich). Ausserdem wird er bis zu 2m hoch.

Die Blätter sind of senkrecht verdreht.

2.) Dann wird er geerntet. Zuerst habe ich das anritzen der Stängel und das nachherige Abkratzen des getrockneten Milchsaftes versucht, die Arbeit war jedoch immens. Somit entschied ich mich, die ganze Pflanze zu ernten.

Transport ganz fossil-frei mit dem Fahrrad und Anhänger.
Zuhause angekommen, schnitt ich den oberen 5tel der Pflanzen mit der Heckenschere ab und brachte sie zur Weiterverarbeitung in mein Labor/Küche.

3.) Um die Zellen mit dem Lactucatorium aufzuschliessen, packe ich das Erntegut in meinen Hochleistungsmixer (ein wahrer Alleskönner). Das Ergebnis sah aus wie der Spinat von Popeye…nur in super-bitter.

Stachellattich-Smoothie. Jetzt sind die meisten Zellen aufgebrochen.

4.) Jetzt in den Kochtopf…..Joscha du und kochen???….die Rohkostpolizei wird das nicht mögen!!!!!….Nunja, ich brauche die Hitze, um den Rest der Zellen zum platzen zu bringen und an den Rest des Lactucatoriums zu kommen. Ich beliess es aber bei 80°C, um die Wirkstoffe zu schonen.

So lasse ich es etwa 15 min sieden.

5.) Jetzt kommt ein wichtiger Schritt: Die Wirkstoffe befinden sich jetzt im flüssigen Teil (dem eigentlichen Extrakt). Mit der Hilfe eines Siebes filtere ich alle faserigen Pflanzenteile heraus und erhalte Stachellatich-Extrakt, das so schon medizinal angewandt werden kann. Ich wollte aber mein Extrakt aufkonzentrieren. Dafür lasse ich mein Filtrat so lange in einem Topf mit möglichst grosser Öffnung (Mehr Oberfläche = schnelleres Verdunsten des Wassers) sieden, bis eine die Flüssigkeit richtig schön dick ist.

Ich reduziere die Flüssigkeit so lange bei 80°C, bis das Ganze eine honigartige Konsistenz hat. (Hohe Viskosität)

6.) Der Haltbarkeit wegen, streiche ich das Konzentrat (was zu diesem Zeitpunkt extrem bitter schmeckt) auf ein Backpapier aus und lasse das ganze bei 80°C so lange trocknen, bis sich daraus eine Art Fruchtleder gebildet hat (eine gummiartige Substanz). So kann ich das ganze wieder vom Backpapier abziehen, mit Reismehl bestäuben (das die Stücke nicht bei der Lagerung aneinander kleben) und in Stücke geschnitten, unter Lichtabschluss im Schraubglas lagern.

So sieht das Endprodukt nach dem Dörren aus.

Zur Dosierung

Dies ist ein Konzentrat und wirkt nicht gleich wie Opium! Taste dich langsam an die Dosis heran, die für dich am besten erscheint. Ich rate vom Gebrauch als Rauschmittel ab. Dennoch wünsche ich dir viel Spass beim ausprobieren und dem Kennenlernen dieser wunderbaren Pflanze!

Ebenfalls wichtig! Es kann schmerzen, einen neuen Beitrag zu verpassen. Gegen diese Schmerzen hilft die Lattichmedizin nicht. Was aber definitiv sofort zur Heilung führt ist ein Abonnement dieses Blogs. Folge mir dazu auf dem Folge-mir-Knopf am unteren Ende dieser Seite. Es ist völlig kostenlos und ich schicke keine Werbung!

Quelle: Tabellen Vergleich Lactuca serriola und L.sativa: Anabelle Damarum und Team, Elucidating the genetic basis of antioxidant status in lettuce (Lactuca sativa), 2015, aufgerufen am 09.08.2019 von: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4660231/

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