Wo war der letzte Beitrag? Draussen leben? Hofaufgabe? Was nun?


Neues Jahr, neues Glück? Wer loslassen kann, ist definitiv im Vorteil. Warum ich zur anderen Kategorie gehöre, was mit unserem Hof geschieht, wie ich das letzte Jahr gelebt habe, über das tiny house, Autarkie und wie es für Désirée und mich weitergeht, erfahrt ihr in diesem, sehr persönlichen Text.

Liebe Lesenden dieses Blogs
Einige von euch verfolgen mein Schreiben inzwischen schon seit vier Jahren. Wie habe ich mich gefreut, als die ersten 50 AbonnentInnen an Board waren; ich habe sogar noch ein Screenshot davon😂 Mittlerweile ist daraus eine starke Community geworden, die mit allen Wassern gewaschen ist und sich nicht von kritischen oder provokanten Fragen abwimmeln lässt. Ich bin so stolz darauf, für eine solch aufrichtige Leserschaft schreiben zu dürfen. Danke jedem/jeder einzelnen von euch; ihr seid einfach super!


Der Erdwandlerhof ist am Ende?


Nach drei intensiven Jahren, die wir mit dem Aufbau des Erdwandlerhofes verbrachten, ist jetzt auf einmal Schluss. Aber glaubt nicht, dass es das Erdwandlerprojekt nicht mehr geben wird; alles ist im Wandel und so auch wir. Im Beitrag über die Schwierigkeiten der Selbstversorgung in einem teuren Land wie der Schweiz habe ich bereits geschrieben. Falls du diesen Beitrag noch nicht gelesen hast, kann ich ihn dir gerne empfehlen.


Unser Plan war von Anfang an, den Hof in ein waldgartenbasiertes System (da das in diesem Standort das naturnähere wäre) zu verwandeln. Der Hof sollte langfristig unser Zuhause werden und wir wollten ihn nach 5-6 Jahren übernehmen. Ein Zuhause, das wir jetzt aufgeben müssen, um unser Projekt voranzutreiben.
Im November 2021 haben wir uns entschieden, aus der Wohnung auszuziehen, die sich direkt auf dem Hof befand. Die Miete war damals für uns nicht mehr tragbar. Wir wollten jenes Geld (da sie unsere Hauptausgabe war) für den Aufbau des Hofes verwenden. Nur einen Monat später konnte ich einen rostigen Bauwagen erwerben, der sich „zufällig“ nur einen Kilometer von unserer Wohnung befand. Kaum war er hier, begann ich den Boden herauszuschlagen, zwei Wochen lang zu entrosten und dann einen neuen Boden einzuziehen; er sollte uns als tiny house in Zukunft auf dem Hof einen Unterschlupf bieten.


Wer sich wirklich mit den Prinzipien der Permakultur auseinandersetzt, weiss: Es ist sehr wichtig, in direkter Nähe oder sogar als Teil des Permakultursytems zu leben! Alles andere ist nur ein Garten, der in Anlehnung an die Permaprinzipien gestaltet wurde (nicht dass das schlecht wäre). Das Geheimnis eines Ökosystems mit Mensch liegt in seiner direkten Interaktion mit ihm. Beobachten, Schlüsse ziehen und erst dann handeln. Je weiter man weg wohnt, desto weniger bekommt man die Nuancen zu Gesicht, die sich in einem solchen Ökosystem zeigen.
Während Désirée eine sehr kleine Einzimmerwohnung im Nachbarort bewohnte, bliebe ich von Ende März bis Mitte September 2022 im noch offenen Bauwagen wohnen. Sie schlief aber auch einen grossen Teil der Zeit im Wagen.


Nach aufwendigem Entrosten isolieren wir den Boden mit filetierten Schaumstoffmatratzen. Upcycling auch hier :-)

Ist unser tiny house nun fertig geworden?


Kurze Antwort: Nein. Wir mussten feststellen, dass sich unser Garten nicht sonderlich gut als Wohnort eignet. Er ist zwar unglaublich schön, aber von unten brüllt die Kantonsstrasse, es ist am Nordhang immer feucht (Schimmel, unser treuster Begleiter) und es hat sich ergeben: Die Hofübergabe wird doch nicht stattfinden, obwohl das die eigentliche Idee des Ganzen war. Ich habe also, nach langem Ringen und vielen Nächten der Frustration, entschieden, nicht weiter in den Aufbau des Hofes zu investieren. Auch nicht in den Ausbau des tiny houses; in einer Zeit, in der alles auf Black Out stand und wir eine Lösung für uns gefunden hätten. Die nackte Tatsache: Es hätte uns in eine Sackgasse geführt.


Der Kursort Erdwandlerhof


Neben dem Anbau von Lebensmittel lebten wir finanziell auch von Kursen und unseren Therapieangeboten. Um jene auch ohne Wohnung (mit den Kursräumlichkeiten) durchzuführen, brauchten wir auf die Schnelle einen Raum, der vom Regen geschützt ist. Ein Partyzelt in den unglaublich unauffälligen Farben rot/weiss (keine Alternativen wegen des Lieferstaus😂😂😂) wurde unsere Küche, Kursraum und Stube. Ohne fliessend Wasser, mit einer Komposttoilette (was für mich immer noch der ehrlichste und hygienischste Weg der Exkrementenfrage ist), kochen über dem Feuer und einer Menge Arbeit bestritten wir unser Leben. Ein Leben, das uns zunächst absolute Freiheit versprach und dazu noch die Welt schöner macht.


Eine Freiheit, die wir aber konstant und vehement gegen Aussen verteidigen mussten. Das Umfeld ist langfristig einfach entscheidend! Zudem kamen Aufgaben, wie die aufwendige Setzlingsanzucht (ohne Giessautomatik), Ernte, das Problem mit der Lagerung, Vermarktung und Schimmel im Zelt (wegen der andauernden Feuchtigkeit im Herbst) und dem Dauerlärm der Landwirtschaft und Kantonsstrassen direkt dreissig Meter unter uns. So romantisch klingt das auch wieder nicht, oder?

Wie ich bereits erwähnte: Mein Herz ist fast dran zerrissen. Drei volle Jahre intensiver Arbeit (und Planen) am Hof, all die Träume und Ideen musste ich nun wieder aufgeben…. Ich habe wirklich Mühe, als hochsensibler Mensch „in der Zivilisation“ zu leben. Der Lärm, die Unruhe und die vielen unangenehmen Gerüche machen mich kirre. Jetzt wieder in eine Wohnung zurückzugehen, ggf. mit Erdöl zu heizen und auf Trinkwasser scheissen zu müssen, entsprachen auch nicht meiner Idealvorstellung. Dennoch gab es viele schöne Momente und ein Leben draussen ist für uns an einem anderen Platz gut denkbar.


Ohne meine Partnerin hätte ich das Loslassen nicht geschafft. Nur gemeinsam sind wir stark; immer wieder ein Beweis. Da wir unsere gesamte Infrastruktur am Hof haben, wird es wahrscheinlich noch eine Zeit gehen, bis alles weggeräumt, sortiert und eingelagert ist. Doch jetzt leben wir in einer hellen Zweizimmerwohnung an einem grossen Fluss und natürlich am Dorfrand. Es wird mit Holz (Hackschnitzeln) geheizt, eine Gemeinschaftswerkstatt ist vorhanden und es ist definitiv viel ruhiger als auf dem Hof. Eine isolierte Wand und eine Tür, die man abschliessen kann, machen das möglich. Unendlich dankbar für diese Alternative können wir nun in Ruhe weiter an unserem Projekt arbeiten. Was das genau sein wird, erfahrt ihr in einem weiteren Beitrag.


Was nun?


Nach all dem Erlebten, brauchen wir Zeit zu reflektieren. Ich nehme mir das erste Mal seit drei Jahren wieder Zeit für mich und entdecke Seiten, die unter den ganzen Aufgaben am Hof untergegangen sind. Auch Désirée geniesst es hier in unserem neuen Nest. Wir beide arbeiten teils selbstständig und teils angestellt bei Unternehmen, die unsere Werte tragen und wo unsere Arbeit auch wertgeschätzt wird. Ausserdem können wir viel Positives einbringen. Seit Jahren haben wir wieder mal ein stabiles Grundeinkommen. Damit können wir unsere Ausgaben decken und ruhiger planen.

Auch die Erfahrung, dass Arbeiten in der offiziellen Form eines Angestelltenverhältnisses nicht immer Scheisse sein muss, durften wir jetzt auch lernen. Es hat sich so viel verändert im 2022 und wir sind so sehr gewachsen wie noch nie zuvor. Nach meiner persönlichen dunklen Nacht der Seele stellt sich nun ein Gefühl der Leichtigkeit ein.
Leider musste auch lernen, dass unsere Gesellschaft mittlerweile so verrückt ist, dass man als helfender Mensch von jenen, den man zu helfen versucht, noch als Dankeschön einen Tritt ins Gesicht bekommen; auch wenn diese sich als „erwachend“ bezeichnen. Eine Spontanheilung des Helfersyndroms. Wir sind jetzt vorsichtiger, auf wen wir uns einlassen und mit wem wir zusammenarbeiten; die Spreu trennt sich vom Weizen. Sicherlich ein Motto, das uns kollektiv 2023 noch begleiten wird.

Was geschah mit dem vorherigen Beitrag?

Ja, es stimmt, den letzten Beitrag habe ich selbst gelöscht, da er einfach nicht meinen Qualitätsanforderungen genügte (von solchen Texten habe ich noch jede Menge). Es ging darum, dass sich während der Rauhnächte die hiesige und jenseitige Welt so nahe kommen, dass viel leichter übersinnliche Erfahrungen gemacht werden können. Seit dem 20sten Dezember fällt es uns beiden sehr schwer, konzentriert zu arbeiten. Wir brauchten viel Schlaf und Erholung. Auch deshalb konnte ich nicht wirklich einen guten Text schreiben. Ich entschuldige mich für den Link, der für einige von euch ins Leere geführt hat.
Natürlich gibt es noch so viel mehr zu erzählen. Wie es für uns weitergeht, wie wir nun leben, was wir essen, auf welchen neuen Wegen wir unser Essen „anbauen“, unser Weg und Beitrag in/für eine lichtvolle Zukunft, darüber werde ich für euch in weiteren Beiträgen berichten.


Informationen zu den Kursen

Einige Kurse werden dieses Jahr noch im Waldgarten auf dem Hof stattfinden. Wenn Du also von meiner, über 20-jährigen Erfahrung mit Gärtnern, Heilpflanzen und einem Leben im Einklang mit der Natur profitieren willst, dann melde Dich doch gleich hier an. Die Skills, die an den Kursen gelehrt werden, könnten in Zukunft noch sehr wichtig sein. Wir freuen darauf, dich kennenzulernen!


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Egal was geschieht, wir werden weitermachen und nicht aufgeben unseren Traum zu leben!

8 Kommentare zu „Wo war der letzte Beitrag? Draussen leben? Hofaufgabe? Was nun?

  1. Servus Ihr zwei Beiden,
    es ist hervorragend, dass Ihr Euch nicht auf „Teufel komm raus“ verbiegt und erkennen könnt, dass es einen anderen Weg einzuschlagen gilt, wenn der bisherige auf lästige Widerstände stößt, die nicht mehr gegangen werden wollen.
    Eure authentische und ehrliche Art zu leben und mit der nötigen Ein- und Weitsicht, dieses gemeinsame Leben so angenehm und allumfassend wie möglich zu gestalten, ist der „Königsweg“.
    Ich wünsche Euch weiterhin ein glückliches Sein und viele tolle neue Erfahrungen, an denen Ihr noch weiter wachsen könnt.
    Sonnige Grüße aus den Donauniederungen
    Peter

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  2. Oh, hallo zusammen. Das tut mir unendlich leid! Es ist unglaublich schwierig in der Schweiz Permakultur zu leben.
    Ich habe einen Schrebergarten, den ich gerne nach diesen Prinzipien erleben und bearbeiten möchte. Leider fast unmöglich!
    Und immer wieder bin ich unglaublich enttäuscht, wenn ich sehe, was die Mitmenschen mit unserer Natur machen!
    Ich lebe im Kanton Zug; Geld regiert die Welt!
    Ich wünsche euch von Herzen alles Gute für euren Lebensweg! Ihr macht das wunderbar!
    Herzlichst Andrea

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    1. Danke dir, liebe Andrea. Alles geschieht aus einem guten Grund….. Lebensmittel werden halt noch nicht wertgeschätzt (nur theoretisch). Geld allein ist neutral, die Werte und wie wir es einsetzen dahinter sind entscheidend. Ich glaube, dass noch viel grössere Dinge auf uns warten. Danke nochmals und alles liebe in den Kanton Zug.

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  3. Ich wünsche euch viel Segen auf eurem Weg!

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    1. Vielen Dank. Ich glaube, wir sind sehr gesegnet mit den vielen lieben Leuten, die hier so unterstützend kommentieren.

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      1. Ja, das Leben hilft dem Leben. Wir dürfen vertrauen!

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  4. dein beitrag spricht mir aus der seele, weil ich zu fast gleicher zeit ähnliches erfahren durfte und darf. es sind wohl individuell wie kollektiv sehr anstrengende aber auch spannende zeiten, die wirklich alles in frage stellen und man das gefühl hat, dass man aus allen bisher geliebten komfortzonen vertrieben wird, aber nur damit es besser werden kann. das was nicht passt muss weg, damit das neue passieren kann, was man vorher nicht für möglich gehalten hätte. denke, die zeitqualität ist aktuell sehr intensiv. danke, dass du deine empfindungen geteilt hast!

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  5. Hallo ihr zwei Wunderbaren
    Ich bin beeindruckt und berührt, mit welcher Kraft und Klarheit ihr euren Weg geht. Vielen Dank für das Teilen eurer Erfahrungen und Gedanken. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute.
    Cornelia

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