Der Kompost als Heizung: Von Mistbeeten bis zum Biomeiler

Liebe Leser und Leserinnen dieses Blogs

Ach du heisse Scheisse! Wer kennt das nicht? Aber wenn die Kacke am dampfen ist, kann auch damit geheizt werden. Aus China finden sich Aufzeichnungen von Kompostheizungen die schon über 2000 Jahre alt sind. Doch alles der Reihe nach.

Kompostieren statt Verbrennen

Wenn du schon einmal deinen Rasenschnitt zwei Tage auf einem Haufen liegengelassen und dir dann beim Wegtragen die Finger verbrannten hast, weisst du, dass in Biomasse ziemlich viel Energie stecken kann. Genau die gleiche Energie, die auch unseren Körper antreibt und durch Biomasse (in Form von Nahrungsmittel) jenem zugeführt wird. Es ist die Energie des Sonnenlichtes, die in den Pflanzen gespeichert wird und dann in Verdauungsprozessen wieder „gelöst“ wird. Das kann in unserem Darm geschehen oder eben in einem Komposthaufen. Da sich so ein Komposthaufen aber meistens nicht weit von der Stelle bewegt, wird vor allem Wärme produziert. Der wandelnde Kompost; wäre ein klasse Anime 🙂

Der Rasenschnitt, unsere Nahrungsmittel, Pferdemist, Hackschnitzel und Co. könnten auch einfach verbrannt werden und das Ergebnis wäre ein Ähnliches; jede Menge Wärme. Der Vorteil beim Weg über den Komposthaufen ist: Man kann nach dem Prozess fruchtbaren Humus ernten. Im Verbrennungsprozess entsteht vor allem Asche, die man irgendwie wieder los werden muss. In der freien Natur geschieht beides und beides ist für Landökosysteme überlebenswichtig! Während sich der australische Busch mit regelmässigen Feuern auslichtet, setzen unsere Wälder vor allem auf den langsamen Humusaufbau (dazu gehört eine natürliche Kompostierung) und die Bildung von geschlossenen Baumkronen (dazu empfehle ich meinen Beitrag zur Urlandschaft Europas (den Link findet ihr unten).

Mein Weg zur Kompostheizung

Mich haben dampfende Komposthügel immer fasziniert (jedem das Seine 😊). Als ich damals in Christchurch (Neuseeland) im botanischen Garten der Stadt aushalf, erfuhr ich, dass sich in den ca. 5m hoch zusammengetragenen Laubhaufen des Parkes immer wieder Obdachlose verkriechen, um die kalten Winternächte warm zu überstehen. Ganz ehrlich, zuerst musste ich schmunzelnd an einen ungewöhnlichen Hang zur Selbstkompostierung denken; auf den zweiten Blick machte das aber absolut Sinn. Auch bei uns in der Schweiz findet man noch alte Bauernhäuser, bei denen sich der Stall direkt unter der Stube befindet. Die Körperwärme der Tiere und die Verrottungstemperatur des Mistes wurden so optimal genutzt, um wenigsten (abseits des Kachelofens) ein bisschen mehr Wärme zu erhalten.

Von alten Gärtnerinnen und Gärtnern lernte ich die Technik, ein Mistbeet anzulegen und mit ihm die Saaten zu verfrühen. So fuhr ich mit zehn Jahren das erste Mal mehrere Schubkarren durchs Dorf, nur um mit dem Pferdemist eines Bekannten mein erstes Mistbeet zu bauen; damals eine ziemlich anstrengende Sache. Die Radieschen konnten dafür schon Mitte März geerntet werden und ich war überglücklich.

Nachdem die Hitze des Beetes abgeklungen war, hatten die Radieschen und die Pflanzen danach richtig was zu Futtern. Stickstoff gab`s im Überfluss.

Viele Mistbeete und noch mehr Komposthaufen später haben wir—wie ihr ja wisst— 2019 das Erdwandlerhofprojekt gestartet. Im Frühjahr 2020 stand dann der Setzlingsverkauf an und irgendwann wussten wir nicht mehr wohin wir die empfindlicheren Jungpflanzen stellen sollten, um sie von den noch kalten Frühlingsnächten zu schützen. «Hast du kalt, machst du Mistbeet», erinnerte ich mich; die Grube dafür war schnell ausgehoben.

Das versunkene Mistfrühbeet 2020

In unserer Umgebung gibt es sehr viele Pferdehöfe; die Springreitszene ist hier gut etabliert. Wo viel über Hürden gesprungen wird, fallen auch viele Pferdeäpfel an. Mir erzählte man, dass die Menschen früher noch mit Schaufeln auf die Strasse gerannt kamen, um ihr Gärtnergold quasi direkt ab Tier zu beziehen. Ein gesuchter Rohstoff für Rosen und Mistbeete. Die Zeiten sind vorbei. Heute fahren Pferdehöfe die Ausrittsrouten mit einem Elektrobuggy nach, um die Hinterlassenschaften ihrer Tiere wieder einzusammeln. Damit der Blick des modernen Menschen sich nicht mehr an den braunen Äpfel auf der Strasse stören muss. Ich erzähle hier kein Mist. Die Pferdehalterinnen und Rosspfleger schaufeln das Ganze nach der Rundfahrt auf einen riesigen Hügel, der dann teuer entsorgt werden muss. Gleichzeitig kaufen die Menschen im Gartencenter Dünge ein, deren Bestandteile (ich meine den Stickstoffteil) zum Teil aus Südamerika eingeschifft wird; soweit fährt kein Elektrobuggy.  Aus permakultureller Sicht nur ein weiterer Schwachsinn einer Gesellschaft, die nicht mehr in Verbindung mit ihrer direkten Umwelt lebt.

In gewisser Weise ist das für mich auch ein Segen, nicht mehr mit Schaufel und Hacke um jeden Apfel auf der Strasse kämpfen zu müssen. Den Mist gibt es auch in der Schweiz im Überfluss, in mannigfaltigen Variationen 😊 So hatte ich schon im März 2020 genug Rohstoffe für ein Mistbeet. Nun möchte ich dir erzählen, wie ich das gemacht habe:

Ein Mistbeet ist im Prinzip ein Kasten ohne Boden, der versenkt ist oder auf der Erde steht. Er wird mit einer Schicht kompostierendem (aber frischem Mist oder Rasenschnitt) geheizt Darauf werden alte Fenster oder durchsichtige Kunststoffplatten gelegt, um so ein kleines Treibhaus zu bauen.

Zuerst hob ich eine ca. 50-60 cm tiefe Grube (2.5mx 1.20m) aus. Dann habe ich Pferdemist bis fast unter den Rand aufgeschichtet und dann mit einem kleinen Stepptanz in Gummistiefeln auf 20cm Dicke verdichtet. Diese wiederum wurde fein mit Steinmehl (hilft beim Kompostieren) bestreut und dann mit einer 10cm dicken Laubschicht abgedeckt. Das Laub verhindert, dass die jungen Wurzeln sich am heissen Mist verbrennen. Darauf verteilte ich 5-10cm wirklich reifen Kompost (Walderdeduft!). Mit zwei Plexiglasscheiben abgedeckt wurde es nach 3 Tagen so warm, dass wir die Setzlinge direkt auf den Kompost stellen und sogar noch Erbsen für Saftgrün in die Erde säen konnten. Ab Mitte April besuchten aber immer mehr Schnecken die Grube und sogar Paprikapflanzen wurden von ihnen abgefressen. Das warmfeuchte Klima schien den Tieren genehm und sie wollten nicht mehr ausziehen. Die Nächte waren aber immer noch kalt. Irgendwie musste das doch auch anders gehen. Das mit der Kompostheizung war schon gut, aber noch nicht ideal. So kam ich dazu, meinen ersten Biomeiler zu bauen.    

      

Die ersten Versuche mit dem Biomeiler

Ein Biomeiler ist im Prinzip ein grosser Komposthaufen, in dessen Inneren sich einen Wärmetauscher befindet. Es scheint meistens einfach nur eine, in viele Schlaufen gelegte Wasserleitung zu sein, über jene die Verrottungswärme von bis zu 70°C (Bionuklearereaktor😊)genutzt werden kann.

Mein Biomeiler hat «nur» ein Volumen von 19m3 und besteht aus 75% frischer Haselhackschnitzel und 25% Pferdemist. Das Wasser, dass im Ganzen Prozess gespeichert ist, muss natürlich auch noch erwähnt werden. Der Meiler ist mit zwei isolierten Tischen verbunden, die ebenfalls wieder viele Schlaufen Schlauch in einer Sandschicht tragen, um so die Wärme aus der Verrottung besser aufnehmen und speichern zu können (so etwa wie ein Heizkörper/Radiator). Darauf liegt ein Gitter, dass als Tischplatte für unsere Setzlinge dient. Eine Pumpe, zirkuliert das heisse Wasser im Kreislauf. Die Temperaturregelung ist ebenfalls so simpel gehalten, wie nur möglich. Ein mechanischer Thermostat misst die Temperatur auf den Tischen und schaltet bei Bedarf die Pumpe ein, damit diese wiederum das Wasser durch den Biomeiler hindurch und wieder in die Tischheizkörper pumpt. Im Biomeiler selbst konnte ich bereits nach 6 Tagen eine Temperatur in von 68°C in einem Meter Tiefe messen, obwohl das Wetter nicht unbedingt warm war. Ein sehr kalter Frühling war das.

Der Teufel steckt im Detail

Es gibt nicht sehr viel Literatur und genaue Zahlen zum Bau von Biomeilern. Vor allem nicht viel, die auf unser mitteleuropäisches Klima angepasst ist. Heiner Cuhls von der Firma Native Powers hat mich jedoch beim Bau fachlich unterstützt. Er fokussiert sich schon seit vielen Jahren beruflich auf Biomeiler, Kompostierung und Biogas.

Der ganze Planung begann bereits im Dezember 2020. Nach etlichen Versionen kam ich nun mit einem Plan hervor, der auch nach Heiner Cuhls funktionieren könnte; nur um ihn nach einer Nacht inspiriertem Nachdenken wieder zu verwerfen. Beim Aufbau gab es ebenfalls einige Hürden zu überwinden. Pumpen, die nicht stark genug waren, falsch berechnete Rohrgewinde (da bin ich echt noch Anfänger 😊), Teile, die ich noch brauchte und die vielen üblichen Verdächtigen eines Prototypen. Ich habe, wie schon gesagt, sehr viele Komposte gemacht; der Biomeiler ist jedoch eine andere Hausnummer. Die Mikroorganismen sind nämlich etwas kälteempfindlich. Wenn man zu viel Wärme aus dem Meiler pumpt, können sie sogar sterben. Ich habe es auch hier mit einem lebendigen Kompostwesen zu tun.

Ein fragiles Gleichgewicht. Dennoch konnte ich schon dank der Hitze aus dem Meilser einige Nächte die Temperatur bei den Setzlingen über 15°C halten, obwohl die Aussentemperaturen noch bis auf 2 Grad fielen. Hätte ich dem Meiler aber keine Pausen gegeben, wäre das jedoch nicht möglich gewesen. Da ist noch gehörig Luft nach oben für Optimierungen…(unten ein paar Bilder und der zweitletze Version als Schema)

Kuschlig warm in die Zukunft

Heizen ist so ziemlich der grösste Energiefresser in unseren Breitengraden. Doch es entwickelt sich auch im natrürlichen Bauwesen viel. Erwin Thoma hat schon länger Vollholzhäuser im Sortiment, die man —je nach Standort— nicht mehr zusätzlich Heizen muss. Zuzeit wohnen wir in einer Mietwohnung, die noch mit Öl geheizt wird. Wärme aus Solarzellen sind bei unserem Dauerhochnebel im Winter auch nicht gerade vielversprechend. Eine Wärmepumpe, Infrarot- und Elekroheizungen brauchen Strom von aussen.

Da wir für den Hof sowieso viel Kompost brauchen, scheint ein Biomeiler ideal. Erst Heizwärme, dann Mulch und Bodenbeleber für die Beete. Auch Energieautark zu sein, währe echt schön. Ich bin am experimentieren und halte euch auf dem Laufenden. Jetzt im Sommer werden die Heizeinsätze des Meilers weniger. Falls es jetzt trotzdem demnächst zu einem Blackout kommt, dann könnten wir ihn als Durchlauferhitzer für eine heisse Dusche verwenden. Wie macht ihr das mit dem Heizen? Was funktioniert bei euch? Ich freue mich auf eure Kommentare.  

Nützliche Links

2 Kommentare zu „Der Kompost als Heizung: Von Mistbeeten bis zum Biomeiler

  1. Was aus dem Kompost alles entstehen kann…Wunder der Verwandlung, für Haus und Garten. Ich kenne nur die Biogasanlage auf dem Brüederhof in Dällikon, bereits vor 25 Jahren wurde die installiert, heute viel grösser, ein kleines Mini Kraftwerk. Aus Mist, organischen Abfällen und Holz entstehen Strom und Wärme. Aber eben…auch aus Erdhöhlen lässt sich innovatives zaubern. Euch liebe Gartengrüsse von Sandra.

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    1. Liebe Sandra. Der Franzose Jean Pain hat Mitte des letzen Jahrhunderts die Kombination aus Biogasanlage und Biomeiler entwickelt. Er hatte heisses Wasser, Gas zum Kochen und als Treibstoff für sein Auto, das Buschbrandrisiko (durch verkompostierung des Unterbewuchses) drastisch reduziert und danach noch super Kompost für den Garten oder zur Reife….Wie meinst du das mit den Erdhöhlen??? Liebe Grüsse zurück

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