Werden sie miteinander klarkommen? Konflikte in Beziehungen voraussehen und abwenden.

Wer hat sich noch nicht schon mal gewünscht, in die Zukunft sehen zu können, und zu erfahren, ob die Partnerschaft bestehen bleibt oder nicht. Wie wir wissen, ist es nicht ganz so einfach. Dennoch ist es immer wieder erstaunlich, wie einfach es doch ist, schon in der ersten Zeit zu sehen, ob ein Paar auch in Zukunft harmonisch miteinander leben kann.

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs

In diesem Beitrag nimmt euch Michelle mit in eine Welt jenseits des Gartenzauns. In eine Welt des inneren Gärtnerns. Im zweiten Teil der Serie Konfliktlösen.  Konflikte kann man nicht nur lösen, sondern sie auch vorhersehen. Liebesbeziehungen sind da nicht ausgeschlossen und speziell während der Coronazeit intensiv gefordert. Wie man als Paar auch in Zukunft die innere Ruhe wahrt und so innerlich, gemeinsam wachsen kann, beschreibt Michelle nun in ihrem Beitrag. Viel Spass und gute Erkenntnis:

Die Beziehungsformel

Nach der Theorie von Gottmann. Interpretiert von Michelle.

Der amerikanische Psychologe John Gottmann hat bei der Beobachtung von Paaren und deren Verhalten einige Feststellungen gemacht, die einem Blick in die Kristallkugel ziemlich nahekommen.
Mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 80% soll man, nach ihm, voraussagen können, ob ein frisch verheiratetes Paar länger als 7-9 Jahre verheiratet bleibt oder die Beziehung schon vorher scheitert.
Im Folgenden sehen wir uns die verschiedenen Beziehungstypen und die Anzeichen für eine scheiternde Beziehung an. Am Schluss gibt es von Gottmann noch sieben Tipps für eine gute Beziehung und meine ganz persönlichen Erkenntnisse zu seiner Theorie. All das soll euch helfen, die innere Ruhe zu bewahren und auch in Zukunft glücklich zu sein, auch wenn es wieder einmal rundgeht auf der bunten Achterbahn der Beziehung.  

Die verschiedenen Paartypen

Gottmann unterscheidet Paare in verschiedene Typen, die jeweils reguliert (impulsiv/wertschätzend/vermeidend) oder unreguliert (hostil/hostil-losgelöst) sind. Regulierte Paare enden Konfliktsituationen mehrheitlich positiv und haben grundsätzlich eine harmonische Beziehungsgrundlage. Bei unregulierten Paaren hingegen reagiert mindestens einer der Partner nicht förderlich in Konfliktsituationen; beispielswiese durch die anschliessend beschriebenen Verhaltensweisen. Die beiden Grundtypen (reguliert/unreguliert) können in je drei, bzw. zwei Paartypen unterschieden werden, wobei sich deren Beschreibung auf die gesamte Dynamik zwischen den Partnern bezieht. Paare, die einen Konflikt meistens mit einem Kompromis und einem Ergebnis lösen, das von beiden Seiten angenommen wird, kann man grob in folgende Kategorien einteilen:

Impulsiv

Impulsive Paare engagieren sich stark in Konflikte, auch emotional. Ein wahres Donnerwetter wird von beiden heraufbeschworen und es geht richtig rund. Dabei enden diese aber meist mit positiven Gefühlen und Verständnis für die Position seines Gegenübers. Beide Partner zeigen Interesse aneinander und gegenseitige Zuneigung. Es kommt zwar oft zu Konflikten, ist aber grundsätzlich ein harmonischer Beziehungstyp, bei dem sich beide Partner gegenseitig fordern, unterstützen aber auch fördern. Umstände, die beide (oder mehrere Partner) auch innerlich wachsen lassen.

Wertschätzend

Wertschätzende Paare zeichnen sich durch ein grosses Verständnis füreinander aus und zeigen sich gegenseitig Empathie. Eine eher ruhige Energie herrscht zwischen den Partnern. Sie nehmen Rücksicht aufeinander und suchen nach gemeinsamen Lösungen. Wertschätzung und Harmonie sind wichtige Bestandteile dieser Beziehungsform. Hier ist es enorm wichtig, dass man die eigenen Bedürfnisse ebenfalls ausspricht und sich nicht kleiner macht, als man ist. Bedürfnisse nicht auszusprechen führt langfristig zum Verlust genau jener Wertschätzung, die diese Paare gerade auszeichnet.

Vermeidend

Zeigt ein Paar Distanziertheit, und sind die Partner emotional nicht in die Beziehung engagiert, gehören sie vermutlich zur vermeidenden Gruppe. In Konfliktsituationen reagieren sie meist nach einem vorhersehbaren Muster oder vermeiden diese wenn es nur möglich ist.   Auch Desinteresse oder Rückzug sind Anzeichen für diese Paarform. Grundsätzlich finden aber mehr positive als negative Interaktionen statt. Auch hier ist nichts in Stein gemeisselt.

Paare die eine unregulierte Beziehungsform pflegen (meist unbewusst), kann man grob in folgende Kategorien einteilen:

Hostil

Bei den beiden Typen der Hostilen-Paarformen (Hostil und Hostil-losgelöst) lässt schon der Name die wenig harmonische Stimmung erkennen. Es finden mehr negative als positive Interaktionen statt und die Konflikte sind wenig konstruktiv. Das Gewitter bringt nicht den fruchtbarmachenden Regen, wie bei reguliert impulsiven Beziehungen.  Es wird viel kritisiert und oftmals fühlt sich ein Partner dem anderen überlegen, ob intellektuell oder auf einer anderen Ebene. Nicht auf einer Ebene zu sein führt nie zu einer konstruktiven Lösung!

Hostil-losgelöst

Hostil-losgelöst ist der Hostilen-Paarform sehr ähnlich, zusätzlich empfinden die Partner aber keine Liebe oder Zuneigung füreinander. Sie sind emotional losgelöst und zeigen starkes Desinteresse. Interaktionen werden grundsätzlich vermieden, und wenn sie stattfinden, sind sie negativ geprägt, auch durch defensives Verhalten und Rückzug.

Die Vier Reiter der Apokalypse.

Wie die Bezeichnung bereits erahnen lässt, sind es nach Gottmann vier Verhaltensweisen, die im Galopp, die Nachricht eines baldigen Scheiterns überbringen. Das Scheitern einer Beziehung, die während der Phase des Verliebtseins noch so rosig aussahen. Je mehr dieser Punkte auf das Verhalten eines oder beider Partner zutrifft, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wege irgendwann trennen werden. Oder vielleicht trennen sollten. Sehen wir uns die einzelnen Punkte an, um zu verstehen, wie sie die Beziehungsdynamik beeinflussen. Vielleicht kennst du ja den einen oder anderen Punkt aus eigener Erfahrung oder der Erfahrung mit befreundeten Paaren. Es ist erstaunlich, wie sehr sich das Ganze immer wieder um ähnliche Dinge dreht.

Kritik

Die Kritik ist vermutlich der offensichtlichste Punkt, wenn man an eine dysfunktionale Beziehung denkt. Die Interaktion zwischen den Partnern ist von nicht konstruktiver Kritik geprägt. Oftmals ist diese auch persönlich verletzend, also auf den Charakter der Person bezogen und nicht auf das Verhalten selbst. Sie zeigt sich auch durch kritische Bemerkungen am Verhalten des Partners oder das Geringschätzen von Erlebnissen oder Errungenschaften (nicht unbedingt materiell).

Verachtung

Ein Partner zeigt Verachtung, meist weil er sich intellektuell oder körperlich überlegen sieht, auch unterschiedliche Lebenserfahrungen können ein Faktor sein. Sie ist bewusst verletzend und zielt darauf ab, negative Gefühle auszulösen. Dabei fallen oft bissige Kommentare und Vorwürfe über Inkompetenz oder Dummheit. Die Verachtung zeigt sich auch in Gesten wie verächtlichem Lachen oder Augenverdrehen. Die Verachtung reitet am lautesten und mit dem meisten Stolz, fällt aber auch immer am tiefsten!

Defensive

Eine defensive Verhaltensweise zeigt sich beispielsweise, wenn die Schuld auf jemand anderen verwiesen wird. Konstruktive Kritik wird nicht als solche aufgenommen, sondern als Angriff gewertet. Die Person fühlt sich ungerecht behandelt und versucht sich zu verteidigen. Daraufhin werden Ausreden gesucht oder die Schuld von sich gewiesen und dann sowohl auf andere Personen als auch Umstände projiziert.

Rückzug

Ein Partner zieht sich emotional zurück, dies ist auch erkennbar in der Körpersprache. Der Augenkontakt wird vermieden, der Blick ist abwesend. Bei Gesprächen scheint das Gegenüber meist gedanklich Abwesend und zeigt kein Interesse an der anderen Person. Auch wenn Interesse simuliert wird, ist die Person emotional nicht investiert in der Interaktion. Das Spiegeln von Verhaltensweisen und der Körpersprache, das meist unterbewusst geschieht, fehlt. Man spürt einfach, dass die Reaktion des Gegenübers nur aufgesetzt ist. Zu einer Person, die sich vollkommen zurückgezogen hat, kann man fast nicht durchdringen. Eine Konfliktentschärfung ist dann einfach unmöglich.

Die *magische* Formel – 5:1

Mit der magischen Formel beschreibt Gottmann eine eigentlich sehr einfache Feststellung, die er beim Studieren von Paaren machte. Das Verhältnis von positiven zu negativen Interaktionen sollte mindestens 5:1 betragen. Nach oben ist diese Zahl natürlich nicht beschränkt, fünf ist dabei aber die Untergrenze. Nach einer negativen Interaktion sollten also mindestens fünf Positive erfolgen. Eine positive Interaktion kann eine kleine Geste wie anlächeln, eine zärtliche Berührung oder ein paar liebevolle Worte sein.

Ein Beispiel:
Nach dem Streit versöhnt sich das Paar (1), sie küssen sich (2), gehen in die Küche und kochen gemeinsam (3). Nach dem Essen erledigen sie den Abwasch (4) und sehen sich einen Film an (5).
Dies sind natürlich, sehr plakative Beispiele, aber sie zeigen auf, wie kurz der Weg zum harmonischen Miteinander oft nur ist. Während des Streits scheint alles viel grösser, als es ist. Wir empfehlen dazu den Beitrag: Meistere den Streit. Übernimm die Führung in Konfliktsituationen. (unten verlinkt)

7 Beziehungstipps von Gottmann

Nach seinen jahrelangen Beobachtungen und daraus resultierenden Feststellungen (und wahrscheinlich so einigen Beziehungen), hat Gottmann sieben Tipps abgeleitet, die für mehr positive Interaktionen sorgen können und so die Beziehung stärken:

  1. Bringt Eure Partner-Landkarte auf den neuesten Stand
  2. Pflegt Zuneigung und Bewunderung füreinander
  3. Wendet Euch einander zu und nicht voneinander ab
  4. Lasst Euch gegenseitig voneinander beeinflussen
  5. Löst Eure lösbaren Probleme
  6. Überwindet Pattsituationen
  7. Schafft einen gemeinsamen Sinn

Persönliche Erkenntnisse aus der Beziehungsformel von Gottmann

Die perfekte Beziehung existiert nicht. Die eigene mit der von anderen Paaren zu vergleichen bringt absolut nichts. Jede Beziehung ist auf ihre Art und Weise einzigartig, auch wenn es für Aussenstehende manchmal anders erscheint. Mit Gottmanns Formel kann man einen guten Eindruck über die allgemeine Lage in der Beziehung erhalten. «Wo stehe ich? Wie wird sich unsere Beziehung wahrscheinlich entwickeln?»  

Besonders die apokalyptischen Reiter sind klare Indikatoren für Schwierigkeiten. Ich denke, das Prinzip kann auf alle Beziehungsformen angewendet werden, nicht nur die Romantische. Gottmann erkannte bei seinen Beobachtungen von Paaren grundlegende Muster und zog daraus die logischen Schlüsse. Auch wenn alle Menschen verschieden sind, haben wir doch alle einander ähnliche Verhaltensweisen und fallen gerade in Beziehungen in regelrechte Verhaltensmuster. Mir persönlich sind besonders durch die Beschreibung der apokalyptischen Reiter einige Muster in vergangenen Beziehungen aufgefallen, die mir vorher zwar bewusst waren, ich aber nicht als zusammenhängend erkennen konnte.

Was denkt Ihr über die Theorie von Gottmann? Erzählt uns von Euren persönlichen Erkenntnissen und Feststellungen in den Kommentaren oder lasst Euch von unseren Anderen Kanälen auf YouTube und Instagram inspirieren.

Aus der Tastatur von: Michelle Krieg

Hier gehts zum empfohlenen Beitrag: https://erdwandler.com/2020/01/26/meistere-den-streit-ubernimm-die-fuhrung-in-konfliktsituationen-warnung-diese-serie-kann-deine-beziehung-und-die-ansicht-aufs-leben-verandern/

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Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/John_Gottman – John Gottmann, Psychologe.

https://homepage.univie.ac.at/Andreas.Olbrich/referatliebe12.pdf – Detaillierte Seminararbeit zu Gottmann von Studenten aus Österreich.

Textüberarbeitung: Joscha Boner

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