Dem frischen Wind nach….

Ich blickte auf und sah, dass es niemals so sein wird wie früher. Ein Teil in mir verkrampfte sich, aber der Rest jubelte. Was sich kurz eng und aussichtslos anfühlte, war nur ein schmales Tal, das sich nun zu einer weiten Ebene hin öffnete.


Auf der anderen Seite, traute sich keiner mehr, durch die dünne Ritze im Felsen zu steigen. Bis jetzt ist noch niemand von dort zurückgekommen. Die Ernten auf dieser Seite werden seit Jahren immer dürftiger, das Wasser ist verschmutzt und von einem gesunden Miteinander, ist nichts mehr zu sehen. Doch es war das, was die Menschen kannten. Vom Felsspalt wehte ab und zu ein frischer Wind durchs Tal, der den Stunk etwas verdünnte. Das war wie Urlaub für die Diesseitigen. Woher der Wind kam, traute sich niemand herauszufinden. Genauso geht es mir auch immer wieder. Ich kenne beide Seiten. Zuerst scheint es keine Alternative zu geben. Dann riecht es von irgendwoher nach neuen Möglichkeiten und dann bin ich gefragt, den mutigen Durchstieg ins Unbekannte zu machen; ich, du, sie, er, wir alle.

Ich kenne die einfrierende Kraft der Angst nur zu gut. Unbekanntes macht mir grosse Angst. Doch im Stunk zu ersticken, ist noch schlimmer. Über die Jahre habe ich ein Näschen für das grosse Stinken entwickelt. An manchen Orten müffelt es in fortgeschrittenen Stadien, aber niemand möchte das Fenster öffnen. Die frische Luft würde ihnen die eigentlichen Quellen der olfaktorischen Belastung aufzeigen. Vielleicht sogar sie selbst.

Wir sind in einer Zeit, wo sich das scheinbar Uniforme in viele Stückchen fragmentiert. Was als gesetzte Realität für alle galt, ist heute eine wilde Ansammlung vieler Weltbilder. Klerus, Adel und Medien haben schon lange nicht mehr die Deutungshoheit der Wirklichkeit für alle. Manchmal muss man mal kurz aus der Party raustreten, um wieder einmal zu spüren, was frische Luft und Bewegungsfreiheit ist.
Ich könnte nicht über die Themen dieses Blogs schreiben, wenn ich sie nicht selbst erleben würde. Hier bekommst du keine Abschrift eines Anderen. In wie vielen Partys ich eigentlich drinsteckte, ohne es zu wissen verblüffte mich immer wieder total. Manche davon sind glücklich, andere dagegen traurig. So eine Party kann auf deiner Arbeit stattfinden, in deinem Freundeskreis, in deiner Kirche, an deinem Stammtisch oder aber innerhalb deiner Familie.

Je mehr ich erlebe, desto mehr möchte ich lieber auf Tanzveranstaltungen gehen, statt auf diversen Partys, halb besoffen im Rauch der Nebelmaschinen (oder sollte ich sagen, der Verneblungsmaschinerie?), die verschwitzten Rücken anderer an mir zu reiben. Tanzveranstaltungen brauchen Zeit und eine gewisse Hingabe, die Schritte auch lernen zu wollen. Das macht natürlich zuerst Angst, doch die Tänzerinnen und Tänzer nehmen jeden auf, der will. Auch sie haben einmal so angefangen.


Bewusste Partygänger merken schnell, ob die Fete noch was auf die Kette bringen wird oder nicht. Ich habe den Tanzstil meiner Eltern und meines Umfeldes langsam abgelegt und habe meinen eigenen Move gefunden. Auf der falschen Party wirkt das störend und braucht zu viel Platz. Mit den richtigen Leuten aber, kann eine magische Welt der Bewegung daraus entstehen.
Anderen tanzen beizubringen, die nicht wollen, geht sowieso nicht. Es ist in Ordnung zu gehen, hier läuft nichts mehr. Nur mit stark betäubenden Hilfsmitteln wirst du es hier noch länger aushalten. Stell dir vor: Es gibt sogar Orte, die talentierte Tänzerinnen und Bewegungskünstler suchen. Sie sind nicht so laut und glitzernd wie die Muff-Partys, aber sie passen zu dir und du kannst dich dort vollkommen frei bewegen. Durch den Türspalt erreicht dich eine frische Brise. Wirst du ihr folgen?

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Titelbild von Saad Chaudhry auf Unsplash

2 Kommentare zu „Dem frischen Wind nach….

  1. Avatar von Maria Regula Merz

    Der Text gefällt mir. Ja, tanzen, so oft und so lange wir können! Maria Regula

  2. Avatar von Bächler

    Hallo Josha,
    Dein Beitrag hat mich gut gefallen !
    Er wiederspielgelt unsere jetzigen Zeit.
    Liebe Gruess
    Philippe

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