Von den Regenwäldern Neuseelands und dem, was in den letzten drei Monaten bei uns so gelaufen ist.

Ich möchte mich mit diesem Text bei dir melden. Mir geht es gut, uns geht es gut. Das Gleiche wünschen wir uns für dich und deine Liebsten. Während im Aussen momentan vieles im Umbruch ist, Systeme, die so stabil schienen, plötzlich bröckeln und völlig neue Werte gelebt werden, lassen wir das Aussen wieder mal aussen sein und konzentrieren uns auf das, was wir wollen. Mit unserem Fokus, soll das wachsen, was wir uns für die Zukunft wünschen.


Bei mir ist vieles geschehen in den letzten drei Monaten. Ich möchte dich in die Urwälder Neuseelands mitnehmen, dir von riesigen Aalen erzählen, was die Farbe grün so mit mir macht, von Zitronenbäumen, die von Motorradlegenden angepinkelt werden und warum es hier bald nicht mehr „Erdwandler“ heissen wird. Ein kleines Update, eine Reise und ein Gruss von mir. Viel Spass.


Nach 10 Jahren wieder in der „alten Heimat“

Die letzten drei Monate, waren nicht nur bei mir geprägt von inneren Prozessen, die ich durchlaufen „durfte“ (aka musste). Vielen Menschen ging es so. Ich konnte wieder viele Dinge loslassen, von denen ich dachte, ich müsste sie noch lange weitertragen in mir. Falls du diesen Blog schon länger liest, dann weisst du, dass ich mit 19 Jahren nach Aotearoa (wie es die Maori nennen) oder Neuseeland ausgewandert bin. Jedenfalls für drei Jahre, und dann kam ich wieder nach Europa zurück – jedenfalls fast. Ein Teil von mir ist dageblieben. Dieser Teil hat sich in den letzten zehn Jahren, seitdem ich wieder hier bin, jeden Monat 1-2 mal im Traum gemeldet, und ich war, jedenfalls für die flüchtige Dauer eines Traumes, wieder am anderen Ende der Welt. Auf der Insel im Südpazifik, mit dem Gefühl: Ich bin nie weggegangen. Irgendwann wurde mir klar, dass das nicht ganz normal ist; aber was ist schon normal, wenn man sich mit Energetik beschäftigt? Am Tag konnte ich mich auf diesen Teil konzentrieren und sogar wahrnehmen, was für ein Wetter gerade in Neuseeland ist.

Obwohl das spannend und aussergewöhnlich klingen mag, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein, kann es auch unangenehm sein. Ich bevorzuge es, meine Teile alle bei mir zu haben und nicht verstreut auf der ganzen Welt. Einfach zurückrufen liess er sich auch nicht, wie es bei kleineren „Verortungen von Seelenteilen“ möglich ist. Dieser Teil meiner Selbst wollte einfach nicht loslassen, konnte nicht zurückkommen. Er sehnte sich nach mehr Platz, nach Urwäldern mit grossen Baumfarnen und Felsstränden voller Meeresgemüse. Nach dem Pazifik selbst und nach all dem, von dem ich denke, dass ich es damals verpasst hatte. Mit den Jahren lernte ich, die Gründe für die starke emotionale Bindung kennen, die nicht mit den schönen Erinnerungen an einen Urlaub zu vergleichen sind. Ich lernte, diesem Teil zu zeigen, dass es überall schön sein kann. Langsam konnte er loslassen und die Träume hörten auf.

Dann war es endlich soweit. Nach 10 Jahren haben Désirée und ich uns dafür entschieden, gemeinsam nach Neuseeland zu reisen. Am 3.Februar landeten wir in Christchurch und schliefen erst einmal unseren Jetlag aus. Am ersten Tag fiel der Regen und es war 8 Grad kalt. Ironischerweise genau dasselbe Sauwetter wie an dem Tag, an dem ich das erste Mal nach Christchurch kam. Da kann man schon Vergleiche zum Wetter der Kolonialmacht ziehen, die Neuseeland damals ihr eigen nannte und seine gesamte Kultur dorthin exportierte. Ob der Regen damals Heimweh in ihnen ausgelöst hat? Man weiss es nicht.

Uns halfen die niedrigen Temperaturen, den drastischen Wechseln von Winter zu Vollsommer besser zu verarbeiten. Für mich war es sehr schwierig, da sich mein Körper immer sehr mit der Vegetation bewegt. Ich arbeite draussen, esse vor allem saisonal und die Natur ist meine Heimat, die mir halt gibt in diesem eigenartigen System, das gerade noch auf dieser Erde vorherrscht. Mein Körper, meine Psyche, vor allem meine Psyche funktionieren am besten in einem natürlichen Rhythmus und mit natürlicher Nahrung. Wenn ich mich, wie fast alle von uns, an den Zeitplan anderer anpassen muss, egal was für eine Jahreszeit ist, dann fühlt es sich immer zwanghaft an. Mein Morgen beinhaltet keinen Kaffee oder andere Stimulantien. Ich brauche meine Zeit, um den Wechsel zwischen den Welten zu vollbringen; zwischen Traumwelt und hier. So ähnlich ging es mir auch nach der Landung. Ein einzig langer Früh-aufsteh-Morgen.

Ein eigenartiges Gefühl, denn ich hatte mich 10 Jahre lang darauf gefreut, Neuseeland wiederzusehen, und nun fühlte ich mich wie Birnenmatsch auf der Obstwiese. Keine Lust auf irgendetwas. Doch das war nur vorübergehend. Schon am Ende des nächsten Tages verliessen wir die Stadt, in der ich einst lebte, und fuhren in einem Mietcamper an die Westküste. Christchurch, musst du wissen, hat ein ähnliches Klima wie Norditalien. Du erlebst hier Minusgrade und Schnee, als auch Olivenbäume und besonders resistente Zitronenbäume. Dass Zitronenbäume es mögen, wenn man sie anpinkelt, stimmt übrigens. Im Film „Mit Herz und Hand“ (orig. The World`s fastest Indian) pinkelt der neuseeländische Motorradenthusiast H. J. „Burt“ Munro immer an seinen Zitronenbaum und schwört auf die gute Wirkung. Um ehrlich zu sein: Man kann fast alles an einen Zitronenbaum kippen und er scheint glücklich damit zu sein. An der Westküste, wuchsen aber keine Zitronenbäume, an die ich hätte pinkeln können. An der Westküste, genauer gesagt in Hokitika (und Umgebung), gab es erstaunlich wenig Anbau von irgendetwas Pflanzlichem. Trotz des guten, sehr feuchten Klimas wird dort kaum etwas angebaut; das kenne ich schon von anderen Regionen in Europa.

Das war für knapp 3 Wochen unser Zuhause. Ein umgebauter Toyota Hiace von 2005 mit 500´000 Kilometern auf der Uhr!

Dass da nichts wächst, ist ein Ammenmärchen. Gleich neben den vereinzelten Kuhwiesen fanden wir den üppigsten, grünsten und saftigsten Urwald vor. Der viele Regen und die, vom Meer gedämpften Wintertemperaturen lassen sogar Baumfarne wachsen. Kommt man aus Europa und das grösste, dir bekannte Farnartige ist ein Adlerfarn, dann staunt man nicht schlecht, wenn unter dem Farn von schon 4 Metern Spannweite, noch ein, bis zu zehn Meter hoher Stamm wächst. Anders als bei anderen Bäumen, ist der „Stamm“ aber kein grosses Stück Holz, sondern eine lange Schlange von Wurzelbündeln, auf dem sich der grüne Teil oben abstützt. Ich dachte, wir wären bei Jurassic Park. Der Urwald sah so aus, als hätten wir uns in die Jura-Zeit (vor ca. 180 Mio. Jahren) zurückgebeamt. Statt eines T-Rexes könntest du aber unter den Palmfarnen höchstens einen Kiwi erwarten, wenn du richtig viel Glück hast. Gemüse jedenfalls, würden sich dort ebenfalls sehr wohlfühlen. Ob sie dann auch so gigantisch werden? Eine Karotte, die 3 Meter aus der Erde wächst, oder eine Mega-Stangensellerie, die Anthony Williams in grösste Euphorie versetzen würde? Das müsste man ausprobieren!

Das ist ein Baumfarn. Bei langem nicht der Grösste, den wir gesehen haben.

Bei den Neuseeländern piepts ganz gewaltig

Neuseeland ist eine Vogelinsel. Raubtiere kamen erst mit den Dauersiedlern auf die Inseln. Wahrscheinlich war es eine Ratte, die sich in den Hochseekanus der ersten Maori-siedler (sie waren sehr wahrscheinlich nicht die Ersten, aber das ist eine andere Geschichte) versteckte. Der erste Māori war Kupe, der den Legenden eines fernen Landes nachging und das Land der langen weissen Wolke entdeckte. Eigentlich war es seine Frau, die es entdeckte. Nur Frauen gingen nur zu oft in der Geschichtsschreibung unter. Ihr wird aber die Sichtung einer langen weissen Wolke über einer grünen Insel nachgesagt, die sie Aotearoa nannte; das Land der langen weissen Wolke. Die Māori können ihren Ahnenstamm bis zur Ankunft in Neuseeland und sogar den Namen des Waka (Kanus oder Bootes) nennen, mit dem sie das erste Mal auf den Strand der neuen Heimat trafen. Sie wissen genau, wer was wo und wie entdeckt hat. Ich kenne gerade so knapp den Namen meiner Urgrosseltern.

Diese Art kannte ich noch nicht.

Für das Volk der Ratten waren es nicht Kupe oder seine Frau, die als Repräsentanten für ihre Art, das erste Mal in Neuseeland angekommen sind. Da ich die Rattengeschichte nicht kenne, nenne ich ihn (oder sie) einfach Kevin. Als Kevin aus dem Bug gehüpft kam, fand er (oder sie) sich in einem Paradies ohne Fressfeinde vor. Statt selbst gegessen zu werden, fand Kevin und diejenigen, die nach ihm kamen, Wälder voller bodenbrütender Vögel vor. Einige, wie der Kiwi sogar fast blind. Das Gelage war vorprogrammiert. Die Europäer, die erst später eintrafen, brachten auch einige Kevins mit, die sich in ihrer Fracht versteckten und so, ohne zu bezahlen mitreisen durften. Nicht nur Kevins, sondern auch Marder, Wiesel, Opossums aus Australien, Igel und Katzen, von denen einige ihren Käfigen entkamen und auf allen Inseln Neuseelands, ganze Kolonien bildeten. Das grösste Raubtier bleibt aber der Mensch. Die Neuankömmlinge mischten natürlich die ganze Fauna auf und veränderten die Inseln für immer. In einem Mass, taten das schon die pazifischen Ankömmlinge vor ihnen. Die Māori waren nicht nur Jäger, Sammler und Fischer. Sie legten auch komplexe Gärten an und züchteten darin, die von ihnen hergebrachte Kumara (Süsskartoffel). Es war in Neuseeland, wo ich das erste Mal eine Süsskartoffel probiert habe. Für die Māori ist und war sie schon immer ein Grundnahrungsmittel. Ich würde gerne noch mehr über die faszinierenden Gartenkulturen der Pazifikvölker schreiben, aber der Text wird schon wieder sehr lang.

Die Maori, sind wie die meisten Pazifikvölker (Maori sind nicht „ein Volk“), begnadete Seefahrer und Navigateure. Das oben ist kein Hochsee-waka, sondern eher ein Boot zum Transport und Wettkampf.

Das Grün und ich: Eine Liebesgeschichte

Ich habe so ein Ding mit der Farbe grün. Bei mir gibt es keine Lieblingsfarbe, aber die verschiedensten Grüntöne haben mich schon lange fasziniert; fast schon magisch angezogen. Sowohl grüne Lebensmitteln haben diesen Effekt, als auch von allerlei andere Dinge, wie Kachelöfen in Flaschengrün, Lokomotiven in Tannengrün, die Grüntöne verschiedener Moose im Winter und noch vieles mehr. Grüntöne, gibt es an der Westküste der Südinsel Neuseelands genug. Von tiefgrün, über olivgrün, und graugrün bis hin zu maigrün. Gemischt mit dem Braunschwarz der Lianen, den weiteren Grüntönen der Aufsitzerpflanzen (Epiphyten), der Dichte des Unterwuchses und dem ohrenbetäubenden Krach der, nach einer Partnerin suchenden Zikadenmännchen, fanden wir uns in einem unwirklichen Bild von natürlicher Schönheit wieder. Ich wäre nicht ich, wenn ich mich nicht mit den essbaren Pflanzen Neuseelands beschäftigt hätte. Auf den Inseln finden sich eine erstaunliche Anzahl essbarer Farn-Arten. Bei uns sind es plus oder minus vier Arten. Das Minus wird dir dann bewusst, wenn du die falsche Art erwischst, was bei Farnen schonmal vorkommen kann.

Hier sind ein paar grüne Eindrücke aus den verschiedenen Urwäldern des Landes:

Neben dem Nationaltier der Neuseeländer, dem Kiwi, ist die Nationalpflanze der Ponga oder Silberfarn. Der Silberfarn ist ein Baumfarn, der für die Neuseeländerinnen und Neuseeländer eine grosse Bedeutung hat. Die Unterseite seiner Wedel, ist silbern. So ähnlich wie bei unseren Weisstannen, deren Nadeln auf der Unterseite weisse Streifen haben. Für mich war er vor allem schön und essbar! Leider waren wir zur falschen Jahreszeit dort und die Farnwedel hatten sich schon entrollt. Am besten sind sie, so habe ich gehört, wenn sie sich noch in der wunderschönen Rollenform befinden. Diese aufgerollte Form, beinhaltet nicht nur die Fibonacci-Skala, sondern auch den goldenen Schnitt und die gesamte heilige Geometrie unseres Universums. Farne sind einfach uralt, aber immer noch der Hammer! Hätte es nicht in Strömen geregnet und hätten die Zikaden nicht um ein Haar mein Trommelfell „zersungen“, dann wäre es sicher ein längerer Waldaufenthalt geworden. Dann hättest du hier, statt eines Blogbeitrages, ein Buch darüber zu lesen bekommen.

Nach zwei Tagen, dichter Urwälder, kitschig türkisen Flussläufen, einem Haufen Sandflies (die sind wie Fruchtfliegen, beissen dich aber und es juckt wie die Hölle) und gemischten Eindrücken von dem Wohlbefinden der Küstenbewohner, fuhren wir aufwärts in den Norden der Südinsel. Den Süden der Südinsel, mit seinen Fjorden, teils steppenartigen Hochregionen, den südlichen Alpen, den Gletschern und den schönen Aussichten, kannte ich schon von früher. Dort gab es auch Sandflies, doch wir wollten vor allem den Touristenmassen aus dem Weg gehen, die sich um Milford Sound und Queenstown tummeln. Über die typisch kurvigen Strassen, die ich hier aus der Ostschweiz sehr gut kenne, fuhren wir zueinen Ort, der Murchinson heisst.

Murchinson kenne ich nur, weil die Tante meiner damaligen, neuseeländischen Freundin dort wohnt. Tante Fi ist begeisterte Kajakfahrerin und empfahl uns eine Raftingfirma vor Ort.  Willst du eine Landschaft erkunden, dann erfährst du diese auf einem ganz anderen Weg, wenn du dies über die Wasserwege tust. Statt einer riesigen Gruppe (wie üblich beim RiverRafting) waren wir nur drei Leute, die auf einem kleinen Raft den Buller-River hinabglitten. Unser Guide war in unserem Alter und schien auch in irgendeinem Spektrum zu sein; jedenfalls verstanden wir uns auf Anhieb. Er erzählte uns von der Geschichte des Flusses, über den rosafarbenen Granit und die Aale, die zum Laichen die Flüsse hoch geschwommen kommen.

Aale kommen auch bei uns in Europa vor, doch sie tun sich mit den grossen Wasserkraftwerken ziemlich schwer, die ziemlich alle grösseren Wasserläufe, in regelmässigem Abstand unterbrechen. In Neuseeland wird die Wasserkraft ebenfalls stark genutzt (für die 5.21 Millionen Einwohner gibt es kein einziges Kernkraftwerk), doch es gibt immer noch genügend Flüsse, in denen die Jungaale nicht mit den Turbinen in Kontakt kommen, wenn sie sich flussabwärts, zurück ins Meer treiben lassen. Die Dimensionen der Tiere, sind wie bei den Farnen aber etwas grösser. Der Langflossenaal kann bis zu 1.5 Metern lang und bis zu 100 Jahren alt werden. Er ist der grösste Süsswasseraal der Welt. Gesehen haben wir ihn nur in einer Aufzuchtsstation und als kleines Jungtier in einer Höhle, in die wir mit unserer Taschenlampe gewatet sind. Natürlich musste ich fragen, wie die Tierpfleger wissen, wann sie die Tiere ins Meer entlassen würden. Die Pflegerin antwortete: “ Wenn sie über den Beckenrand auf den Teppichboden klettern, dann wickeln wir sie in nasse Tücher ein und bringen sie zur Bucht“.  Von Aalen, die sich auf Teppichböden, nun ja „aalen“ und weiteren spannenden Wassertieren, würde ich euch ebenfalls noch zu gern erzählen, aber du weisst: Das wäre ein Buch!

Ein riesiger Langflossenaal in der Aufzuchtstation.
In der Höhle mit dem Babyaal, fanden sich tausende Glühwürmchen. Das ganze sieht aus wie ein Sternenhimmel, wenn das elektrische Licht der Lampe erlischt.

Nach dem Rafting, den Urwäldern und der Tour in den hohen Norden der Nordinsel, die in der südlichen Hemisphäre wärmer als der Süden ist, waren wir nach knapp 3 Wochen voller Eindrücke. Fast zu viele, für uns und definitiv zu viel für diesen Blogbeitrag.

Zurück, ankommen und mit neuem Elan weitermachen

Mit all dem Gesehenen, Erlebten und Entdeckten, kamen in mir viele innere Prozesse ins Rollen, das habe ich oben schon erwähnt. Ich habe Neuseeland zuerst als Backpacker, dann als Bewohner und dann wieder als Tourist kennengelernt. Jedes Mal aus einer anderen Perspektive, aus einer reiferen Perspektive. Ich erkannte viele Dinge, die ich damals nicht erkennen konnte und die meiner Sehnsucht in der Zwischenzeit einen Dämpfer verpasst hätten.

Aotearoa ist und bleibt für mich eine Art Heimat, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dort jemals wieder zu leben. Das Land, so schön es auch sein mag und so gastfreundlich die Kiwis (die Menschen, nicht die Vögel) auch sind, befindet es sich, aus unserer Perspektive immer noch in der Selbstfindungsphase. Soll die Maori-Kultur oder aber jene der Engländer in Zukunft überwiegen? Geht beides? Braucht es noch mehr Touristen oder überwiegen die Probleme des Massentourismus? Was ist mit Ökotourismus? Wie kann die, momentan massive Abwanderung der Einheimischen gestoppt werden, die in Australien und anderswo ein finanzielles Auskommen sucht? Will sich das Land noch länger mit dem Union Jack, der Flagge Grossbritanniens, im eigenen Wappen schmücken? Neuseeland hatte schon in den Jahren, in denen ich dort war, sowohl umwelttechnische, als auch sozialwirtschaftliche Probleme. Probleme, die gelöst werden wollen.

Was ich damals noch nicht wusste: Ich brauche für meine Arbeit Menschen, die sich diesen grossen Fragen stellen, statt sich mit Outdoor-Aktivitäten und sonstigen Dingen abzulenken. Die Schweiz ist, verglichen mit Neuseeland, schon sehr stark besiedelt und löst bei mir oft Dichtestress aus, was für mich immer für Neuseeland als Wohnort sprach. Doch in der Schweiz, Deutschland und Österreich gibt es genug Menschen, die sich mit den grossen Fragen der Zukunft beschäftigen. Menschen, die wirklich hinschauen wollen. Das gibt es in Neuseeland auch, doch im Vergleich sind es nur sehr wenige. Auch bei den Umweltproblemen, die die intensive Landwirtschaft auslöst, will man dort partout nicht hinschauen, zu wichtig ist der Sektor für die Wirtschaft des Landes. Vielleicht ist es noch nicht an der Zeit für die Neuseeländer, so genau hinzuschauen, oder doch?

Ich möchte mit Menschen in die Zukunft gehen, die aber hinschauen und handeln möchten, damit sich auch wirklich etwas ändert. Die Zeit, in der wir uns gerade wiederfinden, ist geprägt von Chaos und Durcheinander, jedenfalls im System der Menschen. Da brauchen wir einander umso mehr! Je mehr wir voneinander zu driften scheinen, desto wichtiger ist es, sich daran zu erinnern, was uns vereint. Früher waren es Vereine, Dialekte, Parteien, Nationen oder Kulturen, in denen wir Konsens fanden, nun ist es an der Zeit, noch viel tiefer zu tauchen. Tiefer, zu den Wurzeln unserer Menschheit, um am Ende zu erkennen: Wir sind eine Menschheitsfamilie!

Während des ganzen Neuseelandtrips haben die vielen Gespräche mit meiner wunderbaren Désirée, mich wieder daran erinnert, dass ich damals nicht ohne Grund wieder nach Europa zurückkehrte, auch wenn mir dieser Grund damals noch nicht so bewusst war. Hier werde ich gebraucht! Dieses Mal, bin ich mit allen Teilen und grosser Dankbarkeit für dieses Erlebnis wieder zurückgekommen und bereit, neue Perspektiven hierher zu bringen.


Was sonst so läuft!


Ich freue mich sehr darüber, diesen Beitrag für dich zu schreiben. Bei uns war nicht nur wegen der Reise in den letzten drei Monaten so viel los, dass es meine ganze Kapazität eingenommen hat. Ich habe wieder ein bisschen mehr darüber gelernt, wie ich eigentlich funktioniere und was mir wichtig ist (und was nicht). Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf, welche neuen Wege ich mit diesem Projekt gehen will. Mir wurde auch klar: Ich will nicht auf allen Hochzeiten tanzen und muss nicht auf allen Plattformen präsent sein.

Im Projekt geht es immer noch um Bildung, Aufstellungen und neue Perspektiven. Diejenigen, die meinen Telegramkanal abonniert haben, wissen, dass ich den Namen Erdwandler, mit „Joschas Perspektive“ ersetzt habe, nur noch nicht auf diesem Blog. In Zukunft werde ich weiter meine Perspektive und interessante Themen mit dir teilen. Ich habe nicht den Anspruch, die absolute Wahrheit zu kennen. Das, was ich schreibe, ist meine Perspektive. So nehme ich mir die Narrenfreiheit, auch mal falsch zu liegen. Wenn dich mein Blickwinkel interessiert, dann bist du herzlich auf dem neuen Abschnitt mit „Joschas Perspektive“ willkommen. Ausserdem mag ich den Genitiv, den Fall meines Vertrauens. 🙂

Es gibt einige, die mich schon seit 7 Jahren lesen. Meine Statistik sagt mir: Im Januar 2019 haben 202 Menschen meinen Blog gelesen. Seitdem habe ich durch meine Arbeit online, so viele interessante Menschen kennengelernt. Der Blog hat mir die Welt des Schreibens nähergebracht, ich habe Social Media probiert und so unendlich viele Dinge gelernt. Was ich auch gelernt habe: Klicks und Zahlen sind nicht alles. Die Qualität der Menschen und ihre Rückmeldungen haben diese um viele Male wieder wettgemacht. Ich lernte, mich mehr zu öffnen und mich mehr zu zeigen, so, wie ich wirklich bin. Ich erkannte: Egal wie merkwürdig meine Ansichten auch sein mögen, es gibt immer irgendjemanden, der oder die sie in dem Moment gerne lesen möchte. Die Technik und die Inboxen haben sich aber mit der Zeit verändert und viele der Emails, scheinen nicht mehr richtig angekommen zu sein. Deshalb arbeite ich im Hintergrund gerade an einem Newslettersystem, damit meine Posts wieder mehr ankommen.

Auch an einer neuen Webseite sind wir dran und packen alles da rein, was wir in den letzten Jahren so über Onlinekommunikation gelernt haben. Dabei haben wir uns aber Hilfe geholt. Genau das, ist für mich die wohl grösste Erkenntnis der letzten Monate, wenn nicht 2 Jahre: Ich muss nicht immer alles selber machen. Ich KANN nicht immer alles selber machen! Wenn ich es versuche, dann wird diese schöne Arbeit zum Müssen und ich verliere die Lust am Weitermachen. Aber genau davon lebt das Ganze, von meiner Motivation. 

Offline läuft es auch gut. Ich bin dankbar und stolz darauf, was wir schon erreicht haben. Im Frühling werde ich ganze 14 Kurse leiten. Statt wie früher, die Lokalität selber zu organisieren, alles aufzubauen und, stell dir vor, noch gleichzeitig für die Teilnehmenden zu kochen, kann ich nun einfach hingehen, meine Show machen und wieder gehen. Du weisst gar nicht, wie viel weniger Stress das für mich bedeutet und wie viele kleinste Details es im ganzen Organisationsprozess eines Live-Kurses zu beachten gibt. Von der Ausschreibung, und dem Marketing über den geeigneten Raum mit Toilette bis hin zur funktionierenden Kaffeemaschine und den geeigneten Stühlen, auf denen es sich auch gut sitzen lässt. Der Raum, die Infrastruktur, die Bestuhlung und die Tischanordnung haben eine enorme Wirkung auf das Wohlbefinden und die Aufnahmefähigkeit der Kursbesucher. All das und noch viel mehr, habe ich über die letzten 10 Jahre nur deswegen gelernt, weil wir (also Désirée und ich) immer wieder Kurse unter verschiedensten Bedingungen durchgeführt haben. Über das alles, könnte ich  ebenfalls ein eigenes Buch schreiben.

‼️‼️‼️Mehr Updates gibt es auf meinem Telegrammkanal‼️‼️‼️

Die Tastatur wird nicht kalt


Apropos Buch: Ich schreibe tatsächlich gerade mein erstes Buch. Was für eine Herausforderung – psychisch und organisatorisch! Bücherschreiben ist ein Handwerk, das erlernt werden will. In dessen Ausbildung befinde ich mich gerade. Ganz ehrlich: Ich bin immer wieder unsicher dabei. Unsicher, ob das, was ich da gerade tue, wirklich richtig ist, ob es Sinn macht und ob es irgendwer überhaupt lesen will. Wenn nicht, dann habe ich es wenigstens für mich getan. 

Nun stehen noch die letzten zwei Kapitel, die Überarbeitung, die Korrektur, das Gegenlesen und danach die Veröffentlichung vor der Tür. Eine ordentliche Schlange an Aufgaben, von denen ich noch nicht weiss, wie ich sie bewältigen werde. Jedenfalls nicht unter Druck, denn so schiesse ich mich nur selber in den Psychokollaps. Bekloppte gibt es schon genug und um die psychische Gesundheit unserer Gesellschaft steht es auch nicht gerade gut. Da will ich nicht noch dazu beitragen, obwohl ich mich oft selbst frage, ob ich das nicht schon tue …🤪🤪🤪 

In gemütlicher Atmosphäre entsteht ein Buch.


Eins ist klar: Die ganze Kiste wird keine Autobiografie, obwohl ich schon genug zu erzählen hätte. Zur aufkommenden Tag- und Nachtgleiche beginne ich mein 33. Lebensjahr und fühle mich schon jetzt wie der lustige (und manchmal etwas eigenartige) Märchenonkel, der immer eine Geschichte auf Lager hat.
Viele von euch haben sich ein physisches Buch gewünscht. Ich arbeite gerade daran, diesem Wunsch nachzukommen. Désirée unterstützt mich tatkräftig dabei, weiterzumachen und den Fokus zu halten. Fokus ist ein weiteres Stichwort: Mein interessantes (aber tolles) Gehirn findet während des Schreibens immer tausend Dinge, über die man ebenfalls ein Buch schreiben könnte, und kommt mit Themenfeldern hervor, die unbedingt sofort von mir erforscht werden sollten. Das macht die Aufgabe nicht gerade leichter…


Du bleibst auf dem Laufenden


Über all die kommenden Veränderungen, werde ich dich über diesen Kanal informieren. Ich empfehle dir, regelmässig deinen Spam-Ordner/Junkmail-Mail-Ordner zu überprüfen, ob meine Mails nicht dort enden. Dann gibt es noch meinen Telegram-Kanal (ein Medium, das für einmal nicht Google oder Zuckerberg gehört). Ich freue mich darauf, wenn du magst, weiterhin für dich zu schreiben und dir mit diesem „mittel-kleinen-bis-grösser-kleinen» Update ein Lebenszeichen zu schicken. Ein Lebenszeichen und ein Segenswunsch, auf dass du in diesen schwierigen Zeiten nicht deine Lebenslust und deine Vorfreude auf das verlierst, was aus all diesen Wirren entstehen kann. Bis dahin, von Herzen alles Liebe!

Dein Joscha

2 Kommentare zu „Von den Regenwäldern Neuseelands und dem, was in den letzten drei Monaten bei uns so gelaufen ist.

  1. Avatar von Maria Regula Merz
    Maria Regula Merz 8. März 2026 — 14:55

    Lieber Joscha,

    eben habe ich deinen Newsletter gelesen, so spannend.

    Herzlichen Dank

    Maria Regula

    >

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    1. Avatar von Erdwandler

      Danke dir, liebe Maria Regula. Schön, dass du noch dabei bist…

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